Beobachtungen zu Überlastungsproblematiken Lauf im Triathlon

Beobachtungen zu Überlastungsproblematiken Lauf im Triathlon 

Gestern hat mich wieder einmal eine Nachricht ereilt, in der ein von mir betreuter Sportler über Achillessehnenprobleme klagt. Als er mir auf meine Nachfrage, welchen Schuh er denn laufe, antwortet, hab ich mich nun doch entschlossen, meine Beobachtungen zu Überlastungen beim Laufen und dem Tragen von Schuhen diverser Marken zu veröffentlichen.

Ich möchte hierbei ganz klar zum Ausdruck bringen, dass das eine rein empirische Beobachtung seit März 2015 meinerseits ist und ich unabhängig bin und nicht von einem bestimmten Laufschuhhersteller „gekauft“ wurde, um Marken-Bashing zu betreiben.

Ich möchte die untenstehende Tabelle auch gar nicht sonderlich bewerten und einen einzelnen Hersteller in die Pfanne hauen, zumal es ja auch nicht sicher sein muss, dass die Verletzungen durch eben einen Schuh hervorgerufen wird, da durchaus auch mehrere Modelle im Wechsel genutzt werden. Ich hab dann immer wieder rückgefragt, welcher Schuh vor Auftreten der Verletzung verstärkt getragen wurde.

Auffällig sind jedoch 3 klare Muster:

  1. hohe Sprengung/ viel Dämpfung führt vermehrt zu Runner’s knee
  2. flache bis keine Sprengung führt vermehrt zu shin splints
  3. Schuhe, die zu einem dynamischen Laufen verhelfen sollen, scheinen der absolute Killer zu sein und rufen vermehrt Probleme in der unteren Extremität hervor. 

Die „High scores“ mit den meisten Überlastungen hab ich farblich markiert

Tabelle Verteilung Laufüberlastung

Am Ende zeigt sich klar, dass nicht ein spezieller Schuh aus einem Ackergaul ein Rennpferd werden lässt und der Ansatz, dass ein Schuh einen Athleten verbessert, nur bedingt richtig ist.

Manche Modelle brauchen besondere Anpassungen bzgl. der Lauftechnik. Wenn diese Veränderungen ausbleiben, wirds gefährlich.

Ich denke, dem gemeinen Leser dürfte klar werden, welches Schuhkonzept keine Empfehlung meinerseits bekommen wird;-)

 

 

 

 

Der Hype ums Radfahren im bergigen Terrain

Der Hype ums Radfahren im bergigen Terrain 

Ich muss mich zusehends wundern, was sich auf Mallorca oder in anderen Trainingsrevieren so abspielt. Da werden Höhenmeter en masse gesammelt, am ersten Trainingstag nach Orient gefahren, kein Radausfahrt ohne ein „Highlight“ in Form einer Bergbezwingung eingeplant.

Wenn man sieht, wie viele Menschen sich nach Sa Colbra im März und April hochqäulen, kann man sich schon fragen, ob das für alle triathletischen Leistungsklassen und insbesondere im Trainingslager sinnvoll ist. Ich hab da eher das Gefühl, es geht hierbei um die Eventisierung des Banalen, da eben Sa Calobra zu einem „echten Trainingslager dazu gehört“.

Ich seh das komplett konträr und stelle mal eine ketzerische These auf, dass solche Trainingseinheiten für 85% aller Triathleten im Frühjahr eher kontraproduktiv sind.

Nicht falsch verstehen, ich bin schon Freund des Kraftausdauertrainings in allen 3 Disziplinen, doch wie bei allem im Leben, macht eben die Anzahl das Gift.

Wenn man sich das Anforderungsprofil eines klassischen Langdistanzrennens (ausgenommen: Wales, Lanzarote, Embrunman etc.) anschaut, stellt man recht schnell fest, dass die kumulierten Höhenmeter zwischen 800 und 1800hm liegen, also ein Profil aufweisen, dass in einem Roadbook der Tour de France eher als Null-Linie eingezeichnet wird, ergo ist eine besondere Fähigkeit des Radfahrens im Ironman erforderlich: das kontiunierliche Treten.

Wird nun aber im bergigen Terrain trainiert, hat man zwar bergauf etwas mehr Leistung auf dem Pedal und generiert dadurch auch einen höheren Kraftreiz und verändert unter Umständen sein Muskelfaserspektrum von schnellzuckenenden und kohlenhydratraubenden Typ IIx-Fasern hin zu Ausdauerfasern des Typ I, hat aber dann nachfolgend bergab eine deutlich geringere Last zu überwinden. Wenn man Powermeter-Files aus Grundlageneinheiten im bergigen und flach/welligen Terrain miteinander vergleicht, sieht man recht deutlich, dass i.d.R. im Flachen 

  1. kontinuierlicher Leistung erbracht wird
  2. die Durchschnittsleistung höher ist.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass einige „Flachlandtiroler“ nur bedingt an eben diese hohen Kraftreize gewohnt sind, sprich sich relativ häufig Überlastungsproblematiken in Form von Knie- und Rückenschmerzen durch zu viele Höhenmeter einstellen. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass bei teilweise einstelligen Temperaturen bergab eine große Auskühlungs- und Erkältungsgefahr droht, verringern sich die Argumente pro permanentem Training in den Bergen noch mehr.

Ich würde daher das KA-Training am Berg immer bewusst als besondere Trainingsform und kontrolliert durchführen, also einen Berg mit ca 10min Dauer mehrere Male hochfahren und die Pause durchs Bergabrollen füllen und weniger randomisierte Anteile KA durch dauerhaftes Fahren in den Bergen einbauen.

Ein Trainingslager dient am Ende immer noch dazu, Form nachhaltig aufzubauen. Was hat ein Athlet davon, wenn er knieschmerzen- oder infektbedingt sein Camp nicht so absolvieren kann, dass es ihm etwas bringt? Unterm Strich sollte in einem Camp für Age-Grouper nicht zu intensiv (auch im Flachen eher zu langsam als zu schnell) trainiert werden. Dazu zählt das Meiden zu langer Anstiege und langer Läufe, die muskulär zu fordernd sind. Viele Sportler sind schon mit 4-5h Ausfahrten im Flachen überfordert und statt erstmal „unten“ zu bleiben, wird sich gnadenlos abgeschossen.

Unter http://sisu-training.de/allgemein/trainingslager-2018-irgendwas-ist-anders/ hab ich bereits letztes Jahr einige „Auswüchse“ in manchen Camps in Frage gestellt.

Das Training des Fettstoffwechsels ist immer noch der entscheidende Erfolgsfaktor auf der Langdistanz. Auch flaches Training im GA1 bedeutet Trainingsqualität, so dass alle Befürtworter des inflationär genutzten Schlagworts „Qualität vor Quantität“ auch abgeholt werden!

Gemäß dem Prinzip „lieber den Spatz in der Hand“ sollte sichergestellt werden, dass das geleistete Training auch fruchtet und eben nicht schadet.

Train safe und FLACH!
Mario

 

 

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