Bike Fitting unter Realbedingungen mittels Leomo TYPE-R

Das Bestimmen der Sitzposition auf dem Renn- oder Triathlonrad erfährt aktuell einen ziemlichen Hype. Überall sprießen sogenannte Fittingstudios wie Pilze aus dem Boden.

Doch macht ein solches Fitting im „Labor“ eigentlich ohne weitere Kontrolle der Position unter Realbedingungen eigentlich Sinn?

In der Regel dauert eine Fitting-Session zwischen 60-150min, Es wird dabei ein aktueller Status erhoben, leider nicht immer auf die Beweglichkeitsfähigkeiten des Athleten geschaut und leider auch im Jahr 2019 immer wieder auch die Position der Cleats an der Sohle des Schuhs ignoriert.

Danach wird peu a peu die Position „optimiert“, nach welchen Kriterien auch immer. Ein Testdurchlauf dauert meistens 3-8min, in dem der Athlet die Position relativ leicht halten kann. Danach wird wieder umgebaut/optimiert und es kommt der nächste Durchgang. Der Athlet hat in den Umbauphasen also immer wieder Zeit, sich zu erholen und neu zu konzentrieren. Aber wie verhält es sich mit der Position nach 3 Stunden Fahrtzeit, wechselndem Terrain und Windverhältnissen? Kann der Athlet die unter Laborbedingungen ermittelte Position dann noch sauber halten und eine optimale Kraftübertragung und daraus resultierend Vortrieb garantieren?

Genau dieser Aspekt ist die Crux des Bikefittings, denn während der Session fühlt sich das meistens gut an, zumal nach x Veränderungen die meisten Athleten leider eh nicht mehr differenzieren können, ob die Position subjektiv gut oder schlecht ist.

Genau an diesem Punkt setzt das japanische Unternehmen Leomo an. Der Type-R ist ein Tool zur Analyse von Bewegungen in Echtzeit. Hierzu werden 5 Bewegungssensoren am Körper angebracht. 

Die Standardeinstellung beinhaltet:

  • je 1 Sensor mittels Halte-Clip pro Fuß
  • je 1 Sensor mittels speziellem doppelseitigen Klebeband pro Oberschenkel
  • 1 Sensor, ebenfalls mit Tape, am Steißbein (Sacrum)

 

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Die Sensoren können jedoch frei konfiguriert und an jedes andere Körperteil angebracht werden. Warum das evtl. Sinn machen könnte, steht weiter unten.

Diese Sensoren werden mit einer entsprechenden Empfangseinheit am Lenker gekoppelt. Zusätzlich wird der Computer noch mit einem Brustgurt, GPS-Sensor und einem Powermeter via ANT+ gekoppelt. Eine Routenoption oder Kartendarstellung ist nicht möglich, dazu komm ich dann doch auf meinen geliebten Wahoo ELEMT zurück

Während der Fahrt bekommt man in Echtzeit Rückmeldung zu folgenden Parametern:

  • klassische Computerfunktionen ( Geschwindigkeit, Tritffrequenz, Fahrtdauer, Distanz, Herzfrequenz, Leistung in Watt etc.)
  • Leomo-spezifische Parameter, bestehend aus:

Pelvic angle

gibt an, wie aufrecht das Becken ist, der Wert in Grad ist entsprechend auf dem TT-Bike kleiner als auf dem MTB

Pelvic rock

gibt an, wie sehr sich der Athlet auf dem Sattel nach vorne und hinten bewegt

Pelvic rotation

gibt an, wie sehr sich das Becken „verdreht“

Leg angular range (Leg AR)

gibt im Seitenvergleich an, wie sehr sich die Oberschenkel nach oben und unten bewegen

Foot angular range (Foot AR)

gibt im Seitenvergleich an, wie sehr sich die Ferse beim Treten auf und ab bewegest

Foot AR Q1

gibt im Seitenvergleich an, wie sehr sich die Ferse beim Treten im ersten Quadranten der Bewegung, also in Kurbelstellung 12Uhr bis 3 Uhr, nach oben und unten bewegt.

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Interessant wird es dann jedoch, wenn man den File im Nachgang anschaut. Zusätzlich zu den o.g. Parametern bekommt man die sog. Pedal Stroke Intelligence (PSI) angezeigt. In dieser Graphik wird angezeigt, in welchem Trittfrequenz- und Leistungsbereich gehäuft Dead Spots in welchem Abschnitt der 360-Grad-Tretbewegung anzutreffen sind. Dead Spots beschreiben „Bremsbewegungen“ innerhalb des Tritts. Je weniger dieser Dead Spots anzutreffen sind, desto besser und gleichmäßiger erfolgt die Kraftübertragung. Man kann mit dem Dead Spot Score Informationen zur Sitzhöhe, Kurbellänge, Cleat-Position und Kettenblattform, aber auch zum eigentlichen Tretmuster ableiten und dem Athleten Hilfestellung in Sachen Sitzposition, Materialauswahl und Trettechniktraining geben. 

Ein Häufung der „Bremspunkte“ im oberen Segment wird beispielsweise mit einer zu großen Sitzhöhe oder einer zu langen Kurbel in Verbindung gebracht.

 

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Diesen Dead Spot Score (DSS) kann man übrigens auch während des eigentlichen Trainings auf der Head unit angezeigt bekommen, was einen immensen Vorteil für die Umsetzung in die Praxis bedeutet, aber gleichzeitig wegen der Ablenkung durch eben diese Zahlen gefährlich im Strassenverkehr sein kann. 

Ein weiteres Feature stellt die sog. PCD-Übersicht dar, bei der Leistung, Cadence und Dead Spot Score graphisch dargestellt wird. Man bekommt auf einen Blick im Links-Rechts-Seitenvergleich angezeigt, in welchem Trittfrequenz-und Leistungsbereich die meisten Dead Spots ermittelt wurden.

 

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Schlußendlich sind der Phantasie hier keine Grenzen gesetzt, denn man kann die Sensoren komplett losgelöst von der Standardnutzung einsetzen, z.B. auf die Schultern kleben und kontrollieren, wie lange und kontinuierlich der shoulder shrug in der Zeitfahrposition gehalten werden kann. Wenn man einen Sensor im Aerohelm befestigt, bekommt man eine Rückmeldung, wie oft der Sportler seine aerodynamisch optimale Kopfposition während einer Einheit aufgeben musste und kann somit wiederum eine bestehende Sitzposition, die im Labor für ein paar Minuten während des Fittings gehalten werden konnte, in Frage stellen.

Ich habe das System in den vergangenen 10 Monaten ausgiebig getestet, bei einigen INSCYD-Diagnostiken „mitlaufen“ lassen, um zu sehen, wie sich der DSS bei unterschiedlichen Intensitäten verändert und für mich selbst rausgefunden, dass bei mir ovale Kettenblätter zu keinem Vorteil gereichen. 

Einen Einblick in die Arbeit mit dem TYPE-R findet ihr unter http://sisu-training.de/allgemein/uberlegungen-zum-pacing-am-beispiel-huhnerberg-beim-ironman-frankfurt/

Um mehr Hintergründe zu erfahren und um meine Erfahrungen mit Wissen zu unterfüttern, hab ich eine Fortbildung bei/mit Hunter Allen absolviert und mit dem Titel des Leomo Certified Coaches abgeschlossen.

 

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Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Thema Training und Ökonomisierung des Tretmusters ein immenses Potenzial zur Leistungssteigerung auf dem Rad darstellen kann und das Bikefitting unter Laborbedingungen auf den Prüfstand stellt bzw. ein solches Fitting auf der Strasse validiert.

Weitere Infos, wie und wann das System eingesetzt werden kann, welche konkreten Hilfestellungen der Athlet von Trainerseite bekommen kann, erfahrt ihr in der kommenden Zeit.

Ride hard, but even smarter

Wie verpflegt man sich optimal während des Trainings?

Eine immer wieder aufkommende Frage ist, welcher Treibstoff man wann und bei welcher Trainingsform am besten aufnehmen sollte.

Ich selbst konnte in den letzten Jahren in Trainingslagern vermehrt beobachten, dass doch einige Athleten zu früh und zu oft auf Kohlenhydrate (KH) als Energiequelle zurückgreifen, es aber für die Zufuhr dieses Supertreibstoffs eigentlich gar keine richtige Notwendigkeit gibt.

Eines der wichtigsten Attribute im Langdistanztriathlon ist ein sehr gut funktionierender Fettstoffwechsel, um im Wettkampf selbst ein hohes Tempo mit möglichst niedrigem KH-Verbrauch zu generieren, da die körpereigenen KH-Speicher und die KH-Aufnahmemenge durch Gels, Riegel und Isogetränke mit maximal 90gr pro Stunde gedeckelt ist. Mittels INSCYD-Leistungsdiagnostik kann man die sog. Laktatbildungsrate (Vlamax) messen. Wird viel Laktat gebildet, wird schnell dabei auch viel Energie frei. Gleichzeitig ist dann aber auch der Kohlenhydratverbrauch hoch, daher ist ein Ziel des Trainings für eine Langdistanz, diese Vlamax durch bestimmte Trainingsinterventionen und eine geschickte Auswahl des richtigen Treibstoffs zu senken, um gleichzeitig auch den KH-Verbrauch zu minimieren. Athleten mit schlecht entwickeltem Fettstoffwechsel haben bei der Ironman-Belastung einen zu hohen KH-Verbrauch, entleeren entsprechend schnell die Glykogenspeicher und laufen Gefahr, „gegen die Wand zu laufen“ oder ihre Wettkampfgeschwindigkeit drastisch drosseln zu müssen, um überhaupt die Ziellinie zu erreichen.

Die untenstehende Tabelle soll helfen, eine zielgerichtete Versorgung mit den richtigen Makronährstoffen während des Trainings zu gewährleisten.

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