Überlegungen zum Pacing am Beispiel „Hühnerberg“ beim Ironman Frankfurt

Vor einigen Jahren hab ich bereist am sogenannten „Hühnerberg“ auf der Strecke des Ironman Frankfurt einen Test absolviert und dabei die Dauer mit der geleisteten Leistung in Watt verglichen.

Ich habe nun diesen Test wiederholt und dabei die Laktatkonzentration am Ende des „Intervalls“ und die Tretökonomie mittels eines leomo.io Analysetools mit einbezogen.

Die Laktatabnahme erfolgte 1min nach Ende des jeweiligen Abschnitts, da ich immer erst das Gerät, Teststreifen und Stechhilfen aus der Rückentasche fummeln musste.

Mit dem Leomo-System können sog. Dead Spots innerhalb der Tretbewegung markiert werden. Dabei werden 5 Beschleunigungssensoren am Körper befestigt, 1 am Steißbein, 2 am Quadrizeps und 2 weitere Sensoren am Fuß. Die Sensoren am Fuß erkennen „Bremsbewegungen“ innerhalb der Tretbewegung, man erkennt dabei zum einen, ob die Sitzhöhe, Cleatposition, Kurbellänge und Kettenblatt richtig gewählt wurden und zum anderen, wie ökonomisch der Tritt innerhalb der 360Grad-Drehbewegung des Fußes erfolgt. Ich hab mittels Leomo an mir selbst feststellen können, dass die von mir jahrelang eingesetzten ovalen Kettenblätter von osymetric bzw. Rotor unwirksam gewesen sind. Ich hab zig Fahrten mit unterschiedlichen Blättern absolviert, mit dem Resultat, dass runde Standardkettenblätter die geringste Anzahl an Dead Spots gezeigt haben, ergo mein Tritt am effektivsten gewesen ist und somit die Kraftübertragung gleichmäßig verlaufen ist. Nach Umbau auf runde Blätter hab ich zu Beginn der Testphase noch einige Dead Spots in der Auswertung gesehen, die ich durch eine leicht Umstellung der Fußstellung abstellen konnte. 

 

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Doch zurück zum Hühnerberg, ich wollte mit dem Test erkennen, 

  1. wie groß der zeitliche Gewinn bei den jeweiligen Intensitäten ist
  2. wie unökonomisch der Tritt bei unterschiedlichen Intensitäten ist.
  3. welche Intensität noch tolerabel im Ironman wäre

Ergebnis

Hier meine Ergebnisse, die ich aus Scham über mein Körpergewicht in Watt pro kg Körpergewicht angegeben habe;-)

Da ich bedingt durch viele Jahre Ausdauersport eine recht niedrige Laktatbildungsrate habe, sind die Laktatwerte eher mit Vorsicht zu genießen. Die FTP und die daraus abgeleiteten Prozentzahlen sind eher auch eine Schätzung, da ich zuletzt weder Diagnostik noch einen FTP-Test absolviert habe.

 

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Basierend auf den ermittelten Werten und dem doch recht geringen zeitlichen Vorteil, würde ich an Hand dieses Beispiel eine Leistung von 3,65-3,75W pro kg für dieses Segment veranschlagen. Dabei hält sich die Kumulation des Laktats in Grenzen und die verlorene Zeit gegenüber dem Intervall mit der höchsten Intensität hält sich absolut im Rahmen. Da ich aktuell eher schlecht in Form bin, hätte ich kaum nach 4,3W normal weiterfahren können, sondern hätte recht lange gebraucht, im nachfolgenden Bergabteil und im Flachen das kumulierte Laktat abzubauen.

In der Leomo-Auswertung hat sich gezeigt, dass das Intervall mit 3,05W leicht unökonomischer als die anderen Segmente gewesen ist. Ich denke, dass ich durch das bereits einige Monate andauernde Nutzen des Leomo-Systems in unterschiedlichen Intensitätsbereichen in Sachen Tretökonomie schon recht fortgeschritten bin. Bei einem „Leomo-Anfänger“ dürften die Unterschiede deutlich gravierender ausfallen.

In den unten gezeigten Files sieht man

Pedal Stroke Intelligence (PSI)

Die Pedal Stroke Intelligence (PSI) kann dazu verwendet werden, Muster dabei zu analysieren, wie der Dead Spot Score von Leistung und Trittfrequenz beeinflusst wird. Jeder Punkt repräsentiert eine Stelle, an der der Dead Spot Score ungleichmäßig war sowie seine Leistung und Trittfrequenz zu jeder Zeit.

und

PCD-Karte – Power, Cadence, DSS (Leistung, Trittfrequenz, Dead Spot Score)

Zeigt die Häufigkeit von Totpunkten, die in jeder Leistungs- und Trittfrequenzzelle auftraten. Zellenfarbe: Rot = höhere Häufigkeit; Grün = geringere Häufigkeit. Zellen-Farbdeckkraft: Hohe Deckkraft = hohe Anzahl von Gesamtzyklen in der Aktivität; geringe Deckkraft = niedrige Anzahl von Gesamtzyklen in der Aktivität.

 

 

3,05W

250

3,31W

280

3,52W

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3,95W

330W

4,32W

400

Zusammenfassung:

Das Pacing auf der Langdistanz ist entscheidend und stellt neben dem „Energiemanagement“ eine wichtige Säule des Erfolgs dar. Tests wie dieser sollen zeigen, dass man mit etwas Köpfchen ein richtiges Maß an Ökonomie und einzugehendes Risiko abschätzen kann.

 

 

Zur besseren Darstellung hier nochmals als

pdf-Download

 

Beobachtungen/Conclusions zu den Rennen Kraichgau, Rapperswil etc.

Ich hab in den vergangenen beiden Tagen unzählige Files zu den o.g. Wettkämpfen gesichtet und Rückmeldung der Sportler im auszufüllenden Wettkampf-Feedbackbogen gelesen.

Dabei sind folgende Dinge mehrfach aufgetreten.

  • Streckenlänge Schwimmen Rapperswil im Mittel 2050m
  • Streckenlänge Laufen Kraichgau 20,8km
  • Garmin Vektor 3 äußerst fehlerhaft. Ich hab von sage und schreibe 12 Sportlern Rückmeldung bekommen, dass interessanterweise immer die Abnahme auf der rechten Seite ausgefallen ist.
  • Trinksysteme sollten so befestigt werden, dass diese nicht mitsamt der Eigenverpflegung verloren geht
  • Aerohelm: macht bei den plötzlich sehr heißen Temperaturen nur bedingt Sinn, wenn Sportler entweder generell hitzeempfindlich sind oder nicht zu den schnellsten auf zwei Rädern zählen. Kühlung und verminderter Anstieg der Körperkerntemperatur schlagen hierbei ganz klar vermeintliche Aerodynamikvorteile!!!
  • z.T. völlige Versteifung auf Zahlen, Splits etc. Die Sportart heißt immer noch Triathlon und nicht „schnellster Bike-Split“. Die Gesamtleistung zählt und nicht, wer auf dem Rad am schnellsten gewesen ist. Werden die Zahlen aus der Pacingvorgabe nicht erfüllt, beginnt bei einigen Sportlern das Kopfkino und das Zweifeln an der eigenen Leistungsstärke wird immer stärker. Stattdessen sollte jedoch erst in die Zäsur nach Überqueren der Finish line gegangen werden. Hochrechnungen, zwischenzeitliche Platzierungen und Splits etc. sind alles Makulatur und sollten wirklich erst nach dem Wettkampf bewertet werden, wenn man das Ergebnis im Kontext zu den Siegerzeiten, AK-Platzierungen etc verstehen kann!!!
  • leider z.T. gravierende Fehler und/oder zu laxer Umgang mit dem Thema Ernährung. Bin da etwas irritiert, denn eigentlich sind alle relevanten Infos für „meine“ Sportler abrufbar. Man müsste sich halt nur damit beschäftigen. Mehr dazu im gesonderten Teil unten

Fehler Ernährung:

  • die von Ironman bereitgestellten Gels von Enervit führen empirisch beobachtet zu auffällig häufigen Magen-Darm-Problemen
  • leider machen sich viele Sportler im Vorfeld zu wenige Gedanken zu ihrer Ernährungsstrategie. Wenn ich als Coach freitags, also 2 Tage vor dem Wettkampf zur Ernährung befragt werde, finde ich das schon etwas bedenklich, denn mit Fehlern in diesem Bereich werden durchaus auch mal zig Monate Training in die Tonne getreten
  • z.T. viel zu wenig KH auf dem Rad. Nach Rücksprache mit einigen Athleten und dem Zücken des Taschenrechners, bin ich teilweise auf 0,2-0,3gr KH pro Kilogramm Körpergewicht pro Stunde gekommen. Langsame Laufsplits sollten Sportler, die zu wenig auf dem Rad aufnehmen, nicht wirklich wundern. Ohne Mampf kein Dampf!
  • z.T. deutlich zu große Mengen an Wasser. Ich habe Mengenangaben bis zu 1,9l/h gesehen. Das ist definitiv zu viel und führt bei gleichzeitig zu geringer Salzkonzentration unweigerlich zum Zustand Hyponatriämie !!
  • die Herstellerangaben bzgl. Salz und Natrium auf den Gels etc. werden nicht differenziert betrachtet. Ein Gramm Natrium entspricht ca. 2,5Gramm Salz!!! Ergo wird leider immer wieder viel zu wenig Natrium aufgenommen. Nach Berechnung z.T. weniger als 250mg Na pro Stunde. Grade bei den Temperaturen am vergangenen Wochenende führt das unweigerlich zu einer ansteigenden Viskosität des Blutes, also zu einer deutlich größeren Herz-Kreislauf-Last! Ein Bestimmen der Natrium-Konzentration pro Liter verlorenem Schweiß und die Berechnung der sog. Sweat Rate können mehr als hilfreich sein.
  • für meinen Geschmack wird die Energie zu oft über Iso-Getränke seitens des Veranstalters gedeckt. Als Athlet weiß man aber nie, wie „spendabel“ der Helfer am Morgen gewesen ist, also mit welcher Menge an Getränkepulver das Gesöff angerührt wurde. Die KH-Menge kann demnach leider nur im Blindflug berechnet werden
  • KH-Gels sollten NICHT mit Iso verdünnt werden! Zucker mit Zucker zu verdünnen kann nicht funktionieren!!
  • teilweise wird die Energie aus unzähligen Quellen gedeckelt. Dabei werden Power-Gums, Riegel, Gels, Iso-Getränke etc. gleichzeitig eingesetzt. Ich bin eher der Meinung, dass man die Ernährung möglichst simpel gestalten sollte, also eine Energiequelle und Wasser nutzen sollte. Ich vergleiche das gerne mit einem geselligen Abend. Wer schon mal Bier, Wein und Spirituosen durcheinander getrunken hat, kennt die Auswirkungen davon.
  • meine große Bitte daher: macht euch Gedanken und testet in den verbleibenden Woche bis zu den Langdistanzen eure Strategie und wartet nicht bis zur Wettkampfwoche.

 

Analyse Ironman 70.3 Kraichgau 2019

Sommer wird es, wenn Kraichgau ist.

So einfach könnte man das vergangene Wochenende beschreiben.

Eine ähnliche Wettersituation gab es bereits in 2017. Damals, wie auch dieses Jahr, war es im Vorfeld nicht wirklich sommerlich und am Rennwochenende gab es eine plötzlich einsetzende  Hitzewelle. In 2018 war es im Vorfeld schon deutlich länger heiß, so dass sich die Athleten entsprechend adaptieren könnten.

In 2017 konnte ich damals schon feststellen, dass Athleten individuell unterschiedlich mit diesem Wetterumschwung zurechtgekommen sind. Damals, wie auch gestern, scheint das in erster Linie unabhängig vom Leistungsniveau der Athleten abzulaufen. Es gibt demnach auch Top-Age Grouper, die vermehrt Probleme mit dieser klimatischen Umstellung haben, allerdings fällt der zeitliche Abfall bei ihnen signifikant geringer aus als bei weniger starken Sportlern.

Generell ist es schwierig, Rennen miteinander zu vergleichen. Am Beispiel Kraichgau ist das jedoch recht gut machbar, denn die Strecken sind identisch und die Temperaturen in den letzten 3 Jahren waren ebenfalls gleich und vergleichbar.

Ich konnte in beide Richtungen, also deutliche Steigerungen und auch Einbrüche, beobachten. Woran das im Einzelnen gelegen hat, gilt es in den kommenden Tagen zu analysieren.

Gemäß der Farbskala der auf facebook veröffentlichten Wettkampfergebnisse, hab ich einen Vergleich 2017-2019 für den Ironman 70.3 Kraichgau erstellt.

Hierbei steht türkis für die höchste Anzahl, grün für den zweithöchsten Wert und blau für Rang 3.

 

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Hilfe zur Selbsthilfe oder wann muss ich mal einen Gang rausnehmen

Mit Mitte Mai kommt erfahrungsgemäß die erste Welle der Wettkampfpanik, denn bis zu den großen Rennen im Sommer sind es nur noch paar Wochen Zeit.

Wenn dann, wie aktuell, das Wetter oft einen Strich durch die Rechnung macht, nimmt die Panik noch mehr zu.

Wenn dann auch noch „epische Heldentaten“ von Trainingspartnern und „Strava-Freunden“ kolportiert werden, nimmt die Panik ziemliche Ausmaße an.

Es kommt zu urplötzlichem Aufblähen des Trainingsvolumens und unkontrolliertem Steigern der Intensität, gemäß dem Prinzip „viel hilft viel“. Wenn dann die obskuren Garmin-Algorithmen einen unproduktiven Zustand, eine lange Regenerationszeit und/oder ein Absinken der wie auch immer ermittelten VO2max anzeigen, wird das Training in Frage gestellt und unreflektiert, noch mehr und noch härter weitertrainiert. Dabei werden die Warnsignale des Körpers übergangen. Kleine Zipperlein werden ignoriert, denn das gehört für viele einfach dazu. Halskratzen, Aphten auf der Munschleimhaut, Heißhunger auf Süßes, Ein- und Durchschlafstörungen etc. billigend in Kauf genommen.

In meinen 15 Jahren als Coach hab ich schon zig Sportler erleben müssen, die all diese Signale ignorieren und es als Todsünde einstufen, den Trainingsplan nicht 1:1 erfüllen zu können. Bei solchen Sportlern findet man im Trainingstagebuch nur positive Einträge, sie fühlen sich grundsätzlich immer gut, denn geschwächelt wird als harter Eisenmann natürlich nicht.

Doch, wie so oft im Leben, ist weniger oft mehr. Soll heißen, dass ein frühzeitiges Ziehen der Reißleine manche Athleten davor bewahren kann, in einen Zustand des non-funktionalen Overreachings oder sogar des Übertrainings zu gelangen, Krankheiten abzuwenden oder deren Dauer zu reduzieren. Die Chancen, in körperlicher und mentaler Top-Form an der Startlinie des Hauptwettkampfs zu stehen, nehmen dadurch immens zu. Doch sind heutzutage vielen Athleten die Fähigkeiten der Selbstreflekion abhanden gekommen, sie verlassen sich nur auf die o.g. Metriken und/oder Werte wie CTL, ATL, TSS, TSB etc. ohne wirklich in sich hineinzuhören.

Um Sportlern eine Hilfestellung bei der Entscheidungsfindung zu geben, habe ich untenstehende Graphik erstellt, die gemäß der Ampelfarben wirklich leicht verständlich sein sollte.

 

 

wie_fuehlst_du_dich-01

Bleibt nach wie vor die Bitte meinerseits, nicht immer den Uhren Glauben zu schenken, sondern sich bewusst mal mit sich selbst auseinandersetzen, den jeweiligen aktuellen Zustand abzuklopfen und sich zur Sicherheit mit dem Trainer zum weiteren Vorgehen abzustimmen.

Train hard, but smart!

 

Mein Ausflug in den Para Triathlon

Nach knapp 13 Monaten im Amt des Cheftrainer Para Triathlon, muss ich diesen Job leider schon wieder an den Nagel hängen. Das Innenministerium hat dem Behindertensport einen immensen Mittelaufwuchs gewährt, so dass alle bisherigen Honorartrainer ,so eben wie meine Wenigkeit, in eine Festanstellung in Vollzeit überführt werden sollen. Darüber hinaus wird die Verantwortung im Para Triathlon nun endlich auf den Spitzenverband, also die DTU, übertragen. Die DTU hat fast 2 Jahre um diese Stelle gekämpft und nun diese nun auch bewilligt bekommen. Ich kann aber unmöglich mein in 15 Jahren aufgebautes eigenes Business für eine auf erstmal 2 Jahre befristete Stelle aufgeben und hab ich mich somit gegen eine entsprechende Weiterbeschäftigung entscheiden müssen, auch wenn dies bedeutet, dass damit mein Traum, unsere Athleten bis zu den Paralympics in Tokyo 2020 zu führen und mit ihnen Medaillen zu gewinnen, wie die berühmte Seifenblase geplatzt ist.

Ich bin gefühlstechnisch sehr ambivalent, denn für mich persönlich ist das ein ziemlicher Schlag ins Gesicht, aber auf der anderen Seite hat der Para Triathlon in Deutschland durch eben die neu geschaffene Stelle des  Bundestrainers in Vollzeit eine deutlich bessere Chance, sich noch weiter zu professionalisieren. Aufbau eines Bundesstützpunkts, Nachwuchssichtung und engere Zusammenarbeit mit den im Kader organisierten Athleten sind Dinge, die ein Honorartrainer nur bedingt leisten kann.

Das vergangene Jahr war für mich als Coach sehr intensiv und aufschlussreich. Ich konnte Einblicke in die Arbeit der Sportverbände gewinnen, die Sportart Triathlon eigentlich nochmals neu kennenlernen, meine Biomechanik-Kenntnisse auffrischen und meine Beobachtungsgabe schärfen.

Ich habe in dieser Zeit viele gute Gespräche mit „Fachkollegen“ anderer Nationen führen und sehr kollegialen Gedankenaustausch auf Augenhöhe erleben können.

Ich möchte mich bei allen Athleten bedanken, die Zeit war einfach der Hammer. Ich bin immer noch nachhaltig beeindruckt, wie die Behinderungen kompensiert werden und es zeigt mir, dass meistens „viel mehr geht“ als man im Allgemeinen glauben mag. Der Kopf entscheidet und nicht der Körper!! Ich bin froh, diese Athleten kennengelernt zu haben, es sind Freundschaften entstanden! Die Autofahrt ins australische Hinterland als Teambuilding-Maßnahme im Vorfeld der WM an der Gold Coast wird mir immer in Erinnerung bleiben, ich hab selten so lachen müssen!!!

Danke für das entgegengebrachte Vertrauen seitens DBS und DTU.

Besonderer Dank gebührt Dennis Sandig, der mich überhaupt ermutigt hat, mich auf diese Stelle zu bewerben und mir damit diese Erfahrung ermöglicht hat.

Last but not least, möchte ich mich bei Nadine Rucktäschel von der DTU bedanken, denn sie hat mich innerhalb kürzester Zeit vollumfänglich mit den administrativen Besonderheiten des Para Triathlons vertraut gemacht!

Ich wünsche den Athleten mit dem alten und neuen Bundestrainer Tom Kosmehl, der die allerbeste Wahl für dieses Amt darstellt, alles Gute und den wohl verdienten Erfolg für die harte Arbeit.

Danke für diese wunderbare Zeit!

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Das Zusammenspiel von Athlet und Coach

Vor einiger Zeit konnte ich mich mit Dan Lorang, dem wohl aktuell erfolgreichsten Coach im Ausdauersport, zur Organisationsstruktur des Team BORA-Hansgrohe austauschen und hab dabei einige Gemeinsamkeiten zu meiner Arbeit als Triathlon-Coach feststellen können.

Triathlon ist mittlerweile zu einem großen Wirtschaftsfaktor herangewachsen. Die Zeiten, in denen man als Triathlet noch als Exot galt, sind Geschichte.

Mit dieser Entwicklung haben sich auch einige neue Berufsfelder aufgetan, die in ihrer Expertise zum Teil fragwürdige Lücken aufweisen.

Ich hab immer wieder mit Situationen zu tun, in denen Sportler vermeintliche Ratschläge von aussen erhalten, sei es durch Eigenstudium mancher Internetforen, Magazinen, facebook-Gruppen o.ä. oder durch Einflussnahme durch Personen von aussen.

Dabei ist für mich die untenstehende Graphik von elementarer Bedeutung in der Beziehung von Athlet und Coach.

 

Organigramm

Der Athlet steht im Zentrum und wird durch den Coach nach aussen hin „abgeschirmt“. Das soll nicht bedeuten, dass kein Kontakt zu anderen Berufsgruppen zulässig wäre, mir ist es dabei jedoch wichtig, dass Informationen aus dem nächstgrößeren Kreis derer, die Einfluss nehmen könnten, zuerst an den Coach herangetragen und nicht blind an den Athleten übertragen werden. In den vergangenen Jahren sind dabei immer wieder Missverständnisse und Fehlinformationen entstanden, insbesondere dann, wenn Sportler in organisierten Trainingslagern mit anderer „Trainingsphilosophie“ oder bei Leistungsdiagnostikinstituten gewesen sind.

Die Zusammenarbeit von Coach und Athlet beruht auf gegenseitigem Vertrauen, einer gemeinsamen Basis, die von aussen zum Teil gefährdet wird.

Für mich gilt daher gemäß der Graphik, dass der Informationsgehalt von innen nach aussen immer weiter an Wichtigkeit und Bedeutung abnimmt.

Dies alles soll nicht bedeuten, dass der Coach als Weisheit letzter Schluss zu verstehen ist, denn auch ein sehr gut ausgebildeter Trainer mit großem Erfahrungsschatz kann niemals alles wissen. Daher sollten Ideen und Vorschläge von aussen immer zuerst mit dem Trainer abgesprochen werden, damit dieser diese Ideen auch versteht und für sich Rückschlüsse für den Trainingsalltag ziehen kann, denn nur so kann gewährleistet sein, dass das Wissen externer Experten auch sinnvoll umgesetzt wird.

Teamwork ja, aber in geordneten Bahnen!

Train safe!
Mario

 

Beobachtungen zu Krankheiten und Verletzungen im Kontext Trainingslager

Mit Anfang Mai endet traditionell die Hochphase der Trainingslager im Süden.

Zeit, diese Periode hinsichtlich der Häufung von Krankheiten und Verletzungen zu beobachten.

Ich hab 2018 angefangen, alle Trainingsausfälle, die man einem Trainingslager zuordnen kann, zu dokumentieren. Durch einen Wechsel der Coaching-Software kann ich leider keinen längeren Zeitraum überblicken

Dabei sind mir folgende Dinge in Häufung aufgefallen.

  • Anzahl der Fälle in Summe etwa gleich
  • im Monat Februar besteht eine erhöhte Gefahr
  • deutlich größere Zahl der Fälle in organisierten Camps mit Reiseveranstaltern. Offensichtlich führt die gesteigerte Gruppendynamik zur erhöhten Zahl von Krankheiten/Verletzungen
  • die Anzahl der Radstürze hat leicht zugenommen
  • kritischste Phase bzgl. des Immunsystems scheint in den ersten 3 Tagen nach Rückkehr zu liegenBildschirmfoto 2019-05-04 um 20.11.50

 

Beobachtungen zu Überlastungsproblematiken Lauf im Triathlon

Beobachtungen zu Überlastungsproblematiken Lauf im Triathlon 

Gestern hat mich wieder einmal eine Nachricht ereilt, in der ein von mir betreuter Sportler über Achillessehnenprobleme klagt. Als er mir auf meine Nachfrage, welchen Schuh er denn laufe, antwortet, hab ich mich nun doch entschlossen, meine Beobachtungen zu Überlastungen beim Laufen und dem Tragen von Schuhen diverser Marken zu veröffentlichen.

Ich möchte hierbei ganz klar zum Ausdruck bringen, dass das eine rein empirische Beobachtung seit März 2015 meinerseits ist und ich unabhängig bin und nicht von einem bestimmten Laufschuhhersteller „gekauft“ wurde, um Marken-Bashing zu betreiben.

Ich möchte die untenstehende Tabelle auch gar nicht sonderlich bewerten und einen einzelnen Hersteller in die Pfanne hauen, zumal es ja auch nicht sicher sein muss, dass die Verletzungen durch eben einen Schuh hervorgerufen wird, da durchaus auch mehrere Modelle im Wechsel genutzt werden. Ich hab dann immer wieder rückgefragt, welcher Schuh vor Auftreten der Verletzung verstärkt getragen wurde.

Auffällig sind jedoch 3 klare Muster:

  1. hohe Sprengung/ viel Dämpfung führt vermehrt zu Runner’s knee
  2. flache bis keine Sprengung führt vermehrt zu shin splints
  3. Schuhe, die zu einem dynamischen Laufen verhelfen sollen, scheinen der absolute Killer zu sein und rufen vermehrt Probleme in der unteren Extremität hervor. 

Die „High scores“ mit den meisten Überlastungen hab ich farblich markiert

Tabelle Verteilung Laufüberlastung

Am Ende zeigt sich klar, dass nicht ein spezieller Schuh aus einem Ackergaul ein Rennpferd werden lässt und der Ansatz, dass ein Schuh einen Athleten verbessert, nur bedingt richtig ist.

Manche Modelle brauchen besondere Anpassungen bzgl. der Lauftechnik. Wenn diese Veränderungen ausbleiben, wirds gefährlich.

Ich denke, dem gemeinen Leser dürfte klar werden, welches Schuhkonzept keine Empfehlung meinerseits bekommen wird;-)

 

 

 

 

Der Hype ums Radfahren im bergigen Terrain

Der Hype ums Radfahren im bergigen Terrain 

Ich muss mich zusehends wundern, was sich auf Mallorca oder in anderen Trainingsrevieren so abspielt. Da werden Höhenmeter en masse gesammelt, am ersten Trainingstag nach Orient gefahren, kein Radausfahrt ohne ein „Highlight“ in Form einer Bergbezwingung eingeplant.

Wenn man sieht, wie viele Menschen sich nach Sa Colbra im März und April hochqäulen, kann man sich schon fragen, ob das für alle triathletischen Leistungsklassen und insbesondere im Trainingslager sinnvoll ist. Ich hab da eher das Gefühl, es geht hierbei um die Eventisierung des Banalen, da eben Sa Calobra zu einem „echten Trainingslager dazu gehört“.

Ich seh das komplett konträr und stelle mal eine ketzerische These auf, dass solche Trainingseinheiten für 85% aller Triathleten im Frühjahr eher kontraproduktiv sind.

Nicht falsch verstehen, ich bin schon Freund des Kraftausdauertrainings in allen 3 Disziplinen, doch wie bei allem im Leben, macht eben die Anzahl das Gift.

Wenn man sich das Anforderungsprofil eines klassischen Langdistanzrennens (ausgenommen: Wales, Lanzarote, Embrunman etc.) anschaut, stellt man recht schnell fest, dass die kumulierten Höhenmeter zwischen 800 und 1800hm liegen, also ein Profil aufweisen, dass in einem Roadbook der Tour de France eher als Null-Linie eingezeichnet wird, ergo ist eine besondere Fähigkeit des Radfahrens im Ironman erforderlich: das kontiunierliche Treten.

Wird nun aber im bergigen Terrain trainiert, hat man zwar bergauf etwas mehr Leistung auf dem Pedal und generiert dadurch auch einen höheren Kraftreiz und verändert unter Umständen sein Muskelfaserspektrum von schnellzuckenenden und kohlenhydratraubenden Typ IIx-Fasern hin zu Ausdauerfasern des Typ I, hat aber dann nachfolgend bergab eine deutlich geringere Last zu überwinden. Wenn man Powermeter-Files aus Grundlageneinheiten im bergigen und flach/welligen Terrain miteinander vergleicht, sieht man recht deutlich, dass i.d.R. im Flachen 

  1. kontinuierlicher Leistung erbracht wird
  2. die Durchschnittsleistung höher ist.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass einige „Flachlandtiroler“ nur bedingt an eben diese hohen Kraftreize gewohnt sind, sprich sich relativ häufig Überlastungsproblematiken in Form von Knie- und Rückenschmerzen durch zu viele Höhenmeter einstellen. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass bei teilweise einstelligen Temperaturen bergab eine große Auskühlungs- und Erkältungsgefahr droht, verringern sich die Argumente pro permanentem Training in den Bergen noch mehr.

Ich würde daher das KA-Training am Berg immer bewusst als besondere Trainingsform und kontrolliert durchführen, also einen Berg mit ca 10min Dauer mehrere Male hochfahren und die Pause durchs Bergabrollen füllen und weniger randomisierte Anteile KA durch dauerhaftes Fahren in den Bergen einbauen.

Ein Trainingslager dient am Ende immer noch dazu, Form nachhaltig aufzubauen. Was hat ein Athlet davon, wenn er knieschmerzen- oder infektbedingt sein Camp nicht so absolvieren kann, dass es ihm etwas bringt? Unterm Strich sollte in einem Camp für Age-Grouper nicht zu intensiv (auch im Flachen eher zu langsam als zu schnell) trainiert werden. Dazu zählt das Meiden zu langer Anstiege und langer Läufe, die muskulär zu fordernd sind. Viele Sportler sind schon mit 4-5h Ausfahrten im Flachen überfordert und statt erstmal „unten“ zu bleiben, wird sich gnadenlos abgeschossen.

Unter http://sisu-training.de/allgemein/trainingslager-2018-irgendwas-ist-anders/ hab ich bereits letztes Jahr einige „Auswüchse“ in manchen Camps in Frage gestellt.

Das Training des Fettstoffwechsels ist immer noch der entscheidende Erfolgsfaktor auf der Langdistanz. Auch flaches Training im GA1 bedeutet Trainingsqualität, so dass alle Befürtworter des inflationär genutzten Schlagworts „Qualität vor Quantität“ auch abgeholt werden!

Gemäß dem Prinzip „lieber den Spatz in der Hand“ sollte sichergestellt werden, dass das geleistete Training auch fruchtet und eben nicht schadet.

Train safe und FLACH!
Mario

 

 

Schwarz/Weiß- oder doch vielleicht grau?

Ich habe heute einen Blog-Artikel von Brett Sutton gelesen, der mich etwas zum Nachdenken angeregt hat. Er schreibt unter https://team.homeoftriathlon.ch/en/teams/home-of-triathlon/blog/triathlon-s-biggest-addiction?fbclid=IwAR2rlItMCehY–jPDLyhFtPR0zSAHzWKIx3UMnoUZIClUGLkQgoUFTdd7SY über den Einsatz und die Verbreitung von Messgeräten (Powermeter, GPS-Uhren, HF-Messer) im Triathlon.

Ich schätze Brett sehr als Trainer und Person und sein sehr großer Erfolg gibt ihm an vielen Stellen Recht. Ich störe mich jedoch immer mehr etwas an seiner z.T. sehr polemischen Schwarz-Weiß-Denkweise. Es werden gerne mal andere Sichtweisen, die nicht seiner Philosophie entsprechen, als „bullshit“ an den Pranger gestellt. Ich denke, da macht er sich zu einfach und schert alle Athleten und Trainer über einen Kamm, denn oftmals ist die Realität keineswegs so einseitig zu betrachten, wie es leider von vielen Menschen heute gerne gemacht wird.

Ich bin ganz klar seiner Meinung, dass im Triathlon oft zu viel gemessen wird und Athleten leider oft länger mit dem Analysieren des Trainings als mit dem Training selbst beschäftigt sind. Man muss an der Stelle jedoch auch ganz klar differenzieren können, denn nicht jede gemessene Metrik ist als Nonsense zu bezeichnen, auch wenn einige Werte es sicher sind

Bodenkontaktzeiten im Links-Rechts-Seitenvergleich, SWOLF-Werte, Vertikaler Hub beim Laufen u.a. sind in meinen Augen solche Werte, die man nicht unbedingt als wichtig schätzen muss und die man auch gerne mal ignorieren darf- oder sogar ignorieren muss. 

Einige dieser Metriken findet man in meinem Periodensystem des Triathlons.

 

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Auf der anderen Seite können die diversen Messgeräte hilfreiche Werkzeuge im Arsenal eines Triathleten sein, um subjektiv per Belastungsempfinden eingeschätzte Leistungen auch objektiv per Datenlage zu betrachten.

Ich sehe Wearables als sinnvolle Hilfsmittel an, die einigen Athleten und Trainern auch einen Nutzen bringen können. Es gibt jedoch Athleten, die durchaus „old school“ unterwegs sind und die man mit dem Einsatz solcher Instrumente eher vergraulen wird. Ein geschulter Trainer muss immer individuell auf die Bedürfnisse des Sportlers eingehen, ihn zum Einsatz oder auch zum Weglassen der Messgeräte bewegen. Dazu muss man aber erst einmal verstehen können, was die ermittelten Werte bedeuten, welche Informationen für das weitere Training man daraus ableiten kann und letztendlich, welche Metriken man den jeweiligen Sportler individuell messen lassen sollte. Man kann Sportler aber nicht über die pure Anwendung von Formeln und Zahlen führen, sondern sollte das gern zitierte Big Picture nicht aus den Augen verlieren. Wenn „all the gear- no idea Athleten“ blind drauflos messen, bin ich ganz klar Bretts Meinung. Ich denke daher, dass man als Coach die Sportler, mit denen man zusammenarbeitet, eher hinsichtlich eines gezielten Einsatzes dieser Werkzeuge schulen sollte, als undifferenziert alles in diese Richtung abzulehnen.

 

 

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Erfahrungen, Zuhören und Beobachtungsgabe sind wichtige Punkte in der Arbeit als Trainer. Die Sportwissenschaft als noch junges Feld entwickelt sich jedoch auch weiter und hat ebenfalls ihre absolute Daseinsberechtigung. Ich denke daher, dass es nicht richtig ist, alles Wissenschaftliche zu ignorieren und nur basierend auf Erfahrungen zu agieren.

 

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Ich bediene mich in meiner Tätigkeit als Coach eher aus beiden Bereichen und möchte meine Ideen, Beobachtungen und Erfahrungen der letzten 15 Jahre gerne auch trainingswissenschaftlich untermauern. Dazu muss man aber offen für neue Strömungen sein, sein eigenes Handeln reflektieren und sich durchaus auch selbst in Frage stellen können.

Letztendlich führen viele Wege nach Rom…

Mario

 

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