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Der sisu-training Blog

Off season

(von Geri Tallafuss)

 

Ja, man merkt es schon… Man sieht aus dem Fenster und spürt förmlich den Winter kommen. Die Rolle schreit schon wieder nach Gesellschaft…

So mancher tritt schon jetzt die erste Flucht in den Süden an und macht noch bspw. Den Ironman Barcelona oder ähnliches – manch anderer kann sich zu den wenigen Auserkorenen zählen, die noch einen bewegten Urlaub in einem schönen Ort namens Kona machen dürfen.

Für die Meisten unter uns steht aber – wenn überhaupt – nur noch ein Herbstmarathon oder ähnliches auf dem Plan. Aber was dann?

Ja, dann kommt die berühmte Saisonpause. Aber brauchen wir die wirklich? Immer wieder wird gefragt, ob man nicht einfach durchtrainieren kann, weil es ja gerade so gut läuft und ja sonst die Form weg ist.

Was kann man dazu sagen? Voweg:

JA! Wir brauchen die Saisonpause!

Sie hat nämlich zwei Komponenten. Zum Einen die Erholung für den Körper und zum Anderen die oft vernachlässigte Erholung für den Kopf.

Ich will das etwas näher erläutern: Bei ganz vielen von euch ist die Saison nun schon verdammt lang. Wer beispielsweise diesen Sommer Klagenfurt, Frankfurt oder Roth gemacht hat, der hat vermutlich im November 2016 zu trainieren begonnen. Für die Wenigsten unter euch war das der Einzige Wettkampf. So mancher hat noch Hamburg, Podersdorf, Zell am See oder Pula gemacht und ja, jetzt haben wir Mitte September.

Somit liegen 10 ½  Monate strukturiertes und körperlich anspruchsvolles Training hinter uns und die Wettkämpfe waren ja auch keine lockeren Wandertage. Und nicht nur das, sondern in den Meisten Fällen auch ein strukturiertes und durchgeplantes Privatleben.

Dazu sieht man, wie sich gegen Ende der Saison die Wehwechen häufen – ein klares Signal des Körpers, dass jetzt auch mal eine Pause her muss. Würde man jetzt einfach weitermachen, würde daraus früher oder später eine Verletzung resultieren.

Andere merken diese Wehwechen zwar (noch) nicht und ich kann schon verstehen, dass man jetzt in einer sehr guten Verfassung ist, weil bei vielen einfach gerade erst der letzte Wettkampf der Saison abgehakt wurde, und jetzt die Angst um den Form-Verlust wächst. Dem sei aber eines gesagt:

Nur die Mittelmäßigen sind ständig in Hochform.

Der Körper braucht diesen Total-Reset, in dem man einfach mal ein, zwei oder gar drei Wochen die Beine hochlegt und nichts tut, bzw. das tut worauf man gerade Bock hat.
Vielfach unterschätzt wird dabei die mentale Komponente:

Wer nach Plan trainiert, dem wird in gewissem Maße auch sein Leben diktiert.

Ja, klar wir machen das alle gerne, sonst würden wir nicht so viel Zeit dafür aufwenden, aber jeder kennt die Situation, wenn man gedanklich seine Woche durchgeht und sich Sätze wie dieser immer wiederholen: Dienstag bin ich Laufen und Schwimmen, Mittwoch Radfahren, Donnerstag Schwimmen, Freitag Laufen, Samstag lange Radfahren etc…

Man denkt von Tag zu Tag und von Einheit zu Einheit. Man trainiert im Grunde jeden Tag und das muss man noch irgendwie mit Beruf und Familie in Einklang bringen. All das ist in gewisser Weise Stress. Und langfristig gesehen brennt man dadurch innerlich aus.

Man merkt dann schon, dass gegen Ende der Saison sehr lange Radausfahrten einfach nicht mehr so viel Spaß machen oder gar Überwindung kosten, loszufahren; dass harte Einheiten nicht mehr so leicht von der Hand gehen, oder dass  man an einem netten Abend mit Freunden auch gerne mal ein Glas mehr trinken würde… man verliert automatisch irgendwann den Fokus – man ist einfach schon müde.

Würden wir jetzt duchtrainieren, hätten wir spätestens im kommenden April, wenn die Einheiten wieder beginnen hart und lang werden, quasi ein Burnout. Es fehlt einfach an Substanz – Der Spaß an der Sache würde rapide Abnehmen und dann lässt sich eine Kettenreaktion, die uns die Saison zerstören will nicht mehr aufhalten.

Der Sprit ist also langsam leer – wird Zeit nachzutanken: Aus genau diesem Grund gönnen nach einer harten Saison nicht nur dem Körper die Pause, sondern auch dem Kopf!

  • Denkt mal 2 Woche nicht an Triathlon
  • Verfolgt keinen Plan und das, ohne schlechtem Gewissen 😉
  • Macht Sport nur, wenn ihr wirklich Bock habt und nur so lange es euch Spaß macht. Oder noch besser, haltet einfach mal komplett Abstand
  • Trefft euch mit Freunden und erlaubt euch mal ein Gläschen mehr, wenn es ein lustiger Abend ist
  • Esst mal das worauf ihr Lust habt – ohne Angst vor Selbstmordgedanken beim morgendlichen Gewichts-Check :)
  • Erledigt Dinge, die ihr schon die ganze Saison aufschiebt: Musterbeispiel Zahnarzttermin
  • Kümmert euch verstärkt um Family und Freunde, immerhin kommt eine nächste Saison, wo die Zeit wieder limitiert ist. Sich da einen Sympathievorsprung zu erarbeiten, schadet bestimmt nicht 😉

Kurz gesagt: Macht das worauf ihr Lust habt – und das ohne Plan!

Ihr werdet sehen, nach der Pause startet ihr mit vollster Motivation und Fokus in die neue Saison. Die Einheiten, die jetzt am Saisonende schon Überwindung gekostet haben – auf die werdet ihr euch freuen. Und wenn dann wieder die harte Phase kommt (April/Mai/Juni), dann ist genug Saft im Tank, dass man mit vollem Fokus durchziehen kann.

In diesem Sinne, viel Spaß beim Nichts-Tun 😉

Geri

 

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Wenn sich das Lauftraining doppelt lohnt…

von Geri Tallafuss

 

Es erfüllt mich natürlich mit Freude, dass in Zeiten der Ironman-Label-Dominanz, einer der traditionsreichsten Triathlons Österreichs wieder einen Teilnehmerrekord verbuchen konnte.

Gerade jetzt, wo man auch immer wieder sieht, wie schwer es „kleine“ Veranstalter haben, zum Einen attraktiv zu bleiben, zum Anderen einigermaßen wirtschaftlich zu arbeiten, und nicht zu Letzt, auch das nötige Maß an Sicherheit zu garantieren. Die Österreichischen Behörden tun dabei ihr Übriges und legen den Veranstaltern immer mehr und mehr Steine in den Weg. Umso höher wertzuschätzen ist es, dass es einen Bewerb nun schon 30 Jahre (!!!) gibt.

Podersdorf nimmt dabei in vielerlei Hinsicht eine Sonderstellung ein: Ich habe das Gefühl, dass der Raum  zwischen Hass und Liebe bei keinem Bewerb so weit auseinanderklafft wie im schönen Burgenland. Die Einen sind jahrelange Serientäter, lieben das familiäre Flair und natürlich auch die bedeutend humaneren Startgelder und schätzen gerade das am Austria-Triathlon, dass eben die große Marke Ironman nichts damit zu tun hat.

Die Anderen könnte man unter keinen Umständen davon überzeugen je am größten See Österreichs an den Start zu gehen. Immerhin wird einem der plakative Satz „You are an Ironman“ nicht um die Ohren geworfen. Und bei Startgeldern unter 500€ hat man ja auch nicht wirklich das Gefühl eine Langdistanz bestritten zu haben. Klar- beim posen vor Unbeteiligten macht es sich natürlich besser, wenn man sagen kann, man hätte einen Ironman gemacht und nicht „einfach nur eine Langdistanz“. Das bringt Einen ja sonst schon in Erklärungsnot 😉 Wohl eher ein gesellschaftliches Problem der Sucht nach Anerkennung, das sich da erkennen lässt. Ein Ironman 70.3 ist ja selbstverständlich auch viel anstrengender, härter und vorzeigbarer, als einfach eine Mitteldistanz zu machen – das kann ja schließlich jeder…*Ironie-Ende*.

Diese Punkte spielen dem Platzhirsch Ironman natürlich in die Karten und garantieren ausverkaufte Rennen und das wiederum viele Zuschauer an den Strecken. Umso erfreulicher sind die diesjährigen Starter-Zahlen in Podersdorf – man ist und bleibt also konkurrenzfähig.

Nicht zuletzt charakteristisch für Podersdorf ist natürlich der Neusiedlersee. Ein Fluch und Segen zugleich. Für Anfänger im Triathlon, definitiv ein Segen: Ein Massenstart im offenen Gewässer – das ist schon mit die größte Ursache für das mulmige Gefühl vorm Start des ersten Triathlons. Wenn man da nun die Gewissheit hat, dass man im Zweifelsfall einfach stehen bleibt und (mehr oder weniger) festen Boden unter den Füßen hat –  ja , dann nimmt das schon mal viel Anspannung.

Den Fluch merkt man gerade jetzt bei den hohen Starterzahlen noch deutlicher. Das seichte Wasser lädt viele zum Gehen statt zum Schwimmen ein und so verzerrt der Bewerb natürlich signifikant. Klar kann man den Athleten kommunizieren, dass der Inbegriff eines Schwimmbewerbs das Schwimmen ist, aber in Zeiten, wo die Draftingregel schon 2/3 der Starter völlig überfordert, ist natürlich auch nicht zu erwarten, dass dann im Wasser alle Schwimmen.

Einige haben sich offenbar mit zusätzlichen Laufkilometern so gut auf den Schwimmbewerb vorbereitet und dann – mehr oder minder – die ganze Strecke wandern… Naja.. wer spezifisch trainiert ist natürlich immer klar im Vorteil. Sinn der Sache kann das aber schlussendlich nicht sein.

Natürlich es ist eine gewisse Befriedigung, wenn so mancher, der normalerweise 1h05 auf 3,8km schwimmt, plötzlich 54min auf der Uhr abliest. Wie sehr das aber tatsächlich mit dem eigenen Gewissen zu vereinbaren ist, bleibt ebenso demjenigen selbst überlassen, wie der Schallmauer-durchbrechende-Radsplit der in der Gruppe gefahren wurde. Die Zeit unter fairen Bedingungen zu reproduzieren kann sich aber dann schnell zur Lebensaufgabe entwickeln… Naja, jedem das Seine…

Foto Podersdorf

(Quelle: trinews.at)

Schade ist natürlich, dass die wandertagsähnlichen Fotos nun im Netz kursieren und eigentlich nicht die beste Werbung sind.

Die Veranstalter haben bereits darauf reagiert und Maßnahmen für nächstes Jahr angekündigt. Wie die genau aussehen – darauf darf man gespannt sein, aber es ist ja schon positiv zu erwähnen, dass man sich dem Problem annimmt.

In Wahrheit ist der durchaus wachsende Mangel an Fairness ja ein Problem, das viele – wenn nicht sogar alle – Bewerbe betrifft (man denke an die Bilder aus Klagenfurt oder Barcelona). Podersdorf bietet dem Ganzen nur leider neben dem Radfahren auch noch eine zweite Angriffsfläche.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage nach der Lösung des Problems…  Seitens der Veranstalter meint man ja, man will die Teilnehmer kennzeichnen. Ich kann mir das nur über eine groß aufgedruckte Startnummer auf der Badekappe vorstellen. Aber dann…? Wie soll es weitergehen? Wieviele Kampfrichter sind nötig? Zumeist hat man ja schon deutlich zu wenige um ein faires Radfahren zu gewährleisten. Und weiter, wie nahe müssen die an den Sportlern dran sein um die Nummern zu sehen und sie zu notieren? Was macht man mit denen, die die Badekappe „verlieren“?

Jede Menge Fragen – mir fehlen sowohl Antworten als auch Lösungsvorschläge, vielleicht hat ja jemand von Euch die ein oder andere Idee. Fairness, die von den Startern selbst ausgeht, bleibt wohl naiver Wunschgedanke…

Geri

Realistisches Powermeter-Pacing im Ironman

Viele Athleten kennen das Problem, dass sie ihre Pacing-Strategie auf dem Rad nicht richtig einschätzen können oder die Benefits des Wattmessers nur bedingt verstanden haben.

In den nachfolgenden Zeilen möchte ich hierzu etwas Licht ins Dunkel bringen.

Mittlerweile dürfte fast jeder ambitionierte Athlet um die Sinnhaftigkeit eines solchen Tools sensibilisiert worden sein. Das objektive Messen der erbrachten Leistung in Watt  bringt direktes Feedback zum Training und ermöglicht ein objektives Vergleichen der Trainings bzw. des Leistungsfortschritts, Darüber hinaus kann der Powermeter eine effektive Hilfe zur Tempogestaltung im Wettkampf sein, doch hierzu bedarf es eines gewissen Verständnis, wie die Leistung in unterschiedlichen Rennsituationen zu bewerten ist.

In der Literatur bzw. im Internet gibt es jede Menge Formeln, die eine Pacingvorgabe in Abhängigkeit der Functional Threshold Power (FTP) berechnen.

Für ein Rennen über die Ironman-Distanz sollen demnach ca 75-81% dieser FTP aufgebracht werden. Bei Rennen über die 70.3-Distanz ergeben sich nach diesen Formeln Werte zwischen 81 und 89% des zuvor im 20minütigen Critical Power Test ermittelten Wert. Jedoch ist es nicht ganz mit dem sturen Einhalten dieser Bandbreite an Werten getan, man sollte die Umgebungsbedingungen ganz klar im Kontext verstanden haben.

Nehmen wir mal als Beispiel ein Kurs mit einem 3-5%igen Anstieg und einer ebensolchen Bergabpassage (bspw. Ironman Austria). Wenn man in diesem Segment versucht, die Leistung möglichst konstant zu halten, also im ausgewerteten file eine Nulllinie, gleich einem Herzstillstand, zu erzwingen, wird das nicht die schnellste Möglichkeit sein, diesen Abschnitt zu absolvieren.

Nun liegt es in der Natur der Physik, dass das Erzielen größerer Wattwerte bergauf leichter zu erzielen ist als im Flachen, was gleichbedeutend ist mit einer größeren Geschwindigkeit bei vergleichbar kleinem Mehraufwand. Wenn man sich jetzt mit aller Gewalt dazu zwingt, die vorgegebenen Wattwerte bergab ebenfalls zu realisieren, muss man hierzu einen enormen metabolischen Stress in Kauf nehmen, um minimal höhere Geschwindigkeiten zu erzielen.

Der Powermeter ist ein hervorragendes Feedback-Tool, aber keine Fußfessel, an die ein Athlet gnadenlos gebunden ist.

Hier einige Beispiele, die ein stures Befolgen der „Numbers“ als weniger sinnvoll erweisen.

Unterschiedliche Steigungen

Jeder Sportler hat eine „Wohlfühlsteigung“, also einen Steigungsgrad, der es ihm leichter zulässt, hohe Wattzahlen zu generieren. Wenn man nun diese Wattwerte im Flachen ebenfalls erzielen möchte, schaut man meist etwas sparsam aus der Wäsche, denn das Realisieren fällt deutlich schwerer, von daher sollte man nicht die gleichen Werte im Flachen wie an den Anstiegen fahren!

Gegen- und Rückenwind

Auf flachen Abschnitten mit starkem Rückenwind ist das Einhalten der zuvor bestimmten Werte extrem fordernd, ganz im Gegensatz zum Fahren bei starkem Gegenwind. Bei starkem Rückenwind steht die Geschwindigkeitssteigerung um 1km/h in keiner Relation zur aufgebrachten Leistung. Wenn man jetzt stur an seiner Watt-Vorgabe festhält, kann es passieren, dass man einen immensen Kraftaufwand bei Rückenwind für minimalen Ertrag leistet, dann aber in den Gegenwindpassagen unter Umständen zu stark ermüdet ist, um eben diese Abschnitte schnell und solide fahren zu können. Am Ende zählt immer noch, wer am schnellsten fährt und hintendrauf am schnellsten läuft und nicht, wer am Ende die meisten Watt produziert hat.

Rolling hills

Im Trainingslager auf Mallorca bzw. im Training auf hügelig/welligem Terrain kann man sehr oft beobachten, dass viele Athleten bei jeder kleinen Schippe Sand auf der Strasse die Kette weit nach links legen, um den Power Output möglichst konstant zu halten. Der Geschwindigkeitsverlust ist hierbei immens. Schlauer und schneller wäre es, die Welle leicht (!!!!) schneller als die Vorgabe hergibt, „wegzudrücken“, also über die Kuppe die Leistung aufrechthalten und dann mit leicht (!!!!) weniger Leistung auf dem Pedal bergab zu fahren. Das heißt jetzt nicht, dass man nach der „Burning matches-Strategie“ jede Welle/jeden Anstieg voll drüberzieht, sondern eben mit Bedacht schneller. Ich mache daher seit Jahren in den Pacingvorgaben konkrete Unterscheidungen für flache und wellige/bergige Abschnitte. Der Körper verträgt leichte Variationen meist besser als eine zu konstant erbrachte Leistung.

Ein Powermeter ist ein geniales Werkzeug, aber auch nicht mehr. Ein erfolgreiches Nutzen dieses Werkzeuges braucht ein Verständnis dafür, wie unterschiedliche natürliche Begebenheiten den Power Output des Athleten beeinflussen können. Pacing-Vorgaben sind entsprechend nur ein Richtwert, der durch externe Faktoren beeinflussbar ist.

Durchschnittliche Leistung

Die durchschnittlich getretene Leistung kann ein interessanter Gradmesser sein, gibt aber nur einen sehr oberflächlichen Einblick in Sachen Effektivität und daraus resultierender Geschwindigkeit.

Als Beispiel nehmen wir ein 2-Runden-Kurs wie Ironman Frankfurt mit klassischem Wind aus südwestlicher Richtung, also zu Beginn jeder Runde Rückenwind und auf dem Weg zurück nach Frankfurt Downtown Gegenwind. Wir wählen jetzt zwei Athleten mit gleicher Physis, gleichem Material und gleicher Sitzposition und mit identisch funktionierendem Powermeter und schauen uns nach dem Rennen deren Files an.

Athlet A hat 250 Watt avg. realisiert, Athlet B 235 Watt. Man würde ziemlich sicher davon ausgehen, dass Athlet A am Ende schneller gewesen ist als Athlet B, oder? Doch Athlet B war am Ende einige Minuten schneller. Wie kann das sein? Wir schauen uns die einzelnen Sektionen des Kurses an

1.Hälfte der Runde

Athlet A wurde dazu angehalten, 250Watt konstant, also auch bei Rückenwind, zu halten. Der Energieaufwand und die motorisch/neurologische Last ist hierbei immens bei kaum sichtbarem Zuwachs an Geschwindigkeit.

Athlet B hat die Geschwindigkeit langsam aufgebaut und sich an der zu erwartenden Durchschnittsgeschwindigkeit (der Trainer hat 4h55 ausgegeben, also ca 37km/h) orientiert und ist ca 38-40km/h gefahren, aber mit deutlich geringerer Wattzahl auf dem Pedal.

2. Hälfte der Runde

Athlet A wurde dazu angehalten, auch bei Gegenwind, 250 Watt bei gleicher Trittfrequenz konstant zu halten. In der 2. Radrunde konnte Athlet A diese 250Watt nicht mehr aufrechthalten, da er zu viel Energie auf dem Rückenwindabschnitt vergeudet hat.

Athlet B konnte mehr Watt mit größerer Übersetzung umsetzen, der Zeitgewinn gegenüber Athlet A auf diesem Abschnitt war immens.

Unterm Strich war Athlet B deutlich schneller als Athlet A in der T2, ein gewisses Abweichen nach unten UND oben vom vorab ermittelten Durchschnittswert führt zum Erfolg. Das bedeutet nicht, dass man jede kleine Welle im Stehen mit einer Riesenübersetzung und höchstem Krafteinsatz nimmt oder bergab nur rollen lässt, sondern eben die äußeren Begebenheiten im Kontext sieht und die Watt adäquat anpasst. Diese kleinen Variationen werden vom Körper oft deutlich besser toleriert als eine möglichst konstant gefahrene Leistung.

Der Wattmesser ist ein sehr hilfreiches Tool, doch leider machen sich viele Athleten viel zu abhängig von dieser Technik. Im Vorfeld eines Ironman legt der durchschnittliche Athlet ca 4000km im Training zurück, sollte also in dieser Zeit ein gutes Gefühl für die jeweilige Belastung erlangt haben. Ich habe bereits zigfach die Erfahrung als Trainer machen müssen, dass Sportler ihr wahres Potential nicht im Wettkampf abrufen konnten, weil sie mittels Powermeter in ihrem Handeln sehr stark limitiert waren. Ich kenne mehrere Athleten, die ihre besten Rad-Splits erzielt haben, weil der Tacho oder Powermeter im Rennen ausgefallen ist.

Prominentes Beispiel an der Stelle ist Sebastian Kienle, der im Training mit Powermeter unterwegs ist, im Rennen selbst aber auf sein Körpergefühl hört.

Power on!

Das Phänomen der Instagram-Lauftechnik

Wenn ich als Instagram-User auf selbiger Plattform surfe, fällt mir zunehmend ein ganz besonderes Phänomen auf. Ich bezeichne dies als Instagram-Lauftechnik. Was man da so unter dem Hashtag running zu sehen bekommt, hat nicht wirklich etwas mit technisch korrektem Laufen zu tun, sondern ist eher in die Kategorie Sprungläufe einzuordnen. Es wird mit abartiger, unnatürlicher Schrittlänge mit extremer Vertikalkomponente und Fußaufsatz meilenweit vorm Körperschwerpunkt regelrecht gesprungen statt gelaufen.

Nein, liebe selbsternannte social media-Influencer, das was ihr da macht, hat leider gar nichts mit Laufen bzw. korrekter Lauftechnik zu tun. Schlimm, dass namhafte Schuhhersteller solche Kampagnen auch noch unterstützen. Ich möchte gerne einen Läufer mit dieser Technik länger als 400m laufen sehen. Die Frage bleibt offen, warum sich das immer mehr breit macht, wahrscheinlich soll es schnell und dynamisch aussehen, verstehen muss ich das aber nicht.

Leider findet man diese Art der Fortbewegung auch auf jedem 2.Cover der Running, Runner’s World etc.

Sachen gibts…

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Testbericht topo athletic FLI-Lyte 2

Heute möchte ich mich mal als Produkt-Tester probieren, weil ich in dem Produkt ein enormes Potenzial sehe.

Als lizenzierter Pose Method of Running- Coach hab ich ein sehr gespaltenes Verhältnis zum Thema Laufschuhe. Da werden uns sogenannte Innovationen seitens der Hersteller versprochen, die in meinen Augen leider vollkommener Blödsinn sind. Viele Athleten erhoffen sich ein besseres Laufen durch den Kauf des neuesten Laufschuh-Trends, vernachlässigen aber hierbei sträflich das Verbessern ihrer Laufökonomie/Lauftechnik. Die Schuhartikel-Industrie ist leider maßgeblich dafür verantwortlich, dass sich Laufverletzungen in größeren Ausmaß breitmachen konnten. Erst durch den Einsatz von großen Dämpfungselementen und großer Sprengung ( Höhendifferenz Ferse zum Vorfuß) hat sich der Fußaufsatz über die Ferse erst manifestiert. Irgendwann haben die Schuhhersteller diese Problematik erkannt und mit Nike Free als Vorreiter Modelle für sogenanntes Natural Running auf den Markt gebracht.

Allerdings hat man hierbei versäumt, den Athleten den richtigen Umgang mit Schuhen ohne Sprengung beizubringen. In meinen Augen hätte zu jedem Barfußlaufschuh eine enstprechende Schulung mitverkauft werden sollen, denn die Art des Laufens hat sich leider nicht durch den Kauf eines Natural Running-Schuhs automatisch verändert. Man sieht auch heute noch viele Läufer mit Fersenaufsatz, zu großer Schrittlänge, Fußaufsatz mit gestrecktem Bein weit vor dem Körperschwerpunkt, allerdings nun mit Schuhen, die einem bei solcher bescheidener Biomechanik nicht helfen, was zur Folge hat, dass sich die Läufer noch mehr verletzen.

Ich habe daher weit vor dem großen Hype um Hoka One One schon per Video-Blog darauf hingewiesen, dass im Langdistanz-Triathlon der Trend weg von den Minimal-Schuhen zum Prinzip Maximum Cushioning a la Hoka gehen sollte, wenn der Athlet nicht gewillt ist, seine Komfortzone zu verlassen und seine Lauftechnik komplett neu zu erlernen. Der sog. Kona Shoe Count hat gezeigt, dass meine Einschätzung richtig war, Hoka ist auf Hawaii mittlerweile sehr gut vertreten.

Als schwerer Läufer profitere ich sehr stark von den Dämpfungseigenschaften der Hokas oder des Altra Paradigm , verfüge aber pose-geschult über einen präzisen Fußaufsatz unter dem Körperschwerpunkt, sprich über die Fähigkeit der einzig natürlichen Laufbewegung. Mich hat bisher immer an den Hokas gestört, dass man kaum Feedback zum Untergrund bekommt. Ich hab latent immer das Gefühl, in ein Kopfkissen zu treten. Die Schuhe fühlen sich immer schwammig und wenig direkt an. Die Passform ist eher bescheiden, genauso wie die Schnürung, kurzum die Schuhe passen (zumindest bei mir) nur bedingt. Als Alternative bin ich den Altra Paradigm mit 0mm- Sprengung gelaufen. Große Zehenbox mit jeder Menge Platz zur natürlichen Bewegung der Zehen klingt auf jeden Fall sehr gut. Allerdings bietet der Schuh im Mittelfuß kaum Halt, selbst bei wirklich fester Schnürung, was bei mir zur Folge hatte, dass der Fuß mehr mit dem Suchen von Halt im Schuh beschäftigt ist als mit dem eigentlichen Laufen. Resultat: feste Fußmuskulatur, feste Plantarsehne.

Im vergangenen Winter bin ich dann erstmals auf eine neue Marke namens topo athletic aufmerksam geworden. Mein erster Gedanke war: Nicht schon wieder ein neuer Hersteller, der die bereits oben genannten Fehler mit großem Marketing-Hype verkaufen will. Ich hab dann jedoch auf diversen Internetplattformen erste Tests gelesen, so dass mein Interesse irgendwie geweckt wurde. Bei der Triathlon Convention in Langen hab ich die Schuhe dann erstmals live und in Farbe gesehen, aber zeitlich bedingt wieder aus den Augen verloren, dann aber auf facebook gesehen, dass die ersten Schuhe nun in Deutschland erhältlich sind und mir ein Paar bestellt.

Mein erster Eindruck war eher olfaktorisch beeinflusst, die Schuhe haben stark nach Weichmacher gerochen. Das hat sich aber nach 2-3 Tagen gegeben und ein anderer Geruch nach einem Lauf im Regen hat Einzug gehalten;-)

Ich hab mich bewusst für den FLI-Lyte 2 entscheiden, er stellt den mittleren Schuh in Sachen Sprengung (3mm) und Gewicht ca 250gr dar.

Ich würde im Langdistanztriathlon nicht weniger als 3mm-Sprengung laufen, denn durch die Vorermüdung durchs Radfahren ist die Wadenmuskulatur fest und die Beweglichkeit im Unterschenkel dadurch beeinträchtig. Der ST-2 bietet 0mm-Sprengung bei ca 200Gramm und ist somit eher was für kürzere Distanzen, der Ultrafly kommt mit 5mm-Sprengung (ähnlich wie Hoka) und ca 280Gramm Gewicht.

Der Schuh passt perfekt, die Zehen haben wie beim Altra ausreichend Platz. Im Gegensatz zum Altra ist der Blick auf die Zehenbox „schicker“. Der Altra sieht jedoch immer irgendwie nach Ente aus und ich werde an meinen alten Physik-Lehrer erinnert, der in Mephisto-Wanderschuhen rumgelaufen ist. Der Mittelfuß wird extrem gut fixiert, die Schnürung verdient auch Lob, das Material der Schnürsenkel ist fest und stabil.

Insgesamt wirkt die Verarbeitung sehr hochwertig, das hab ich bei manchen Schuhen der großen und namhaften Herstellern zuletzt immer negativ feststellen müssen. Teilweise waren die Schuhe nach 400-500km einfach kaputt.

So, nun Butter bei die Fische:

Die Teile sehen nicht nur gut aus, sie sind es. Sensationelles Abrollverhalten, direkter Bodenkontakt und daraus resultierend ordentliches Feedback ans Hirn. Der Schuh ist extrem gut gedämpft ohne dabei schwammig zu wirken. Der Leisten ist sensationell, der Mix aus Platz für die Zehen und korrekter Fixierung des Fußes wird perfekt gelöst. Die Außensohle bietet ausreichend Grip auf leichtem Schotter und bei Nässe.

Hier hat Jemand seine Hausaufgaben gemacht, der Schuh ist für mich aktuell die eierlegende Wollmilchsau und eine Watschn für die Produktentwickler und Biomechaniker bei den großen Herstellern!

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