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Der sisu-training Blog

Hilfe zur Selbsthilfe oder wann muss ich mal einen Gang rausnehmen

Mit Mitte Mai kommt erfahrungsgemäß die erste Welle der Wettkampfpanik, denn bis zu den großen Rennen im Sommer sind es nur noch paar Wochen Zeit.

Wenn dann, wie aktuell, das Wetter oft einen Strich durch die Rechnung macht, nimmt die Panik noch mehr zu.

Wenn dann auch noch „epische Heldentaten“ von Trainingspartnern und „Strava-Freunden“ kolportiert werden, nimmt die Panik ziemliche Ausmaße an.

Es kommt zu urplötzlichem Aufblähen des Trainingsvolumens und unkontrolliertem Steigern der Intensität, gemäß dem Prinzip „viel hilft viel“. Wenn dann die obskuren Garmin-Algorithmen einen unproduktiven Zustand, eine lange Regenerationszeit und/oder ein Absinken der wie auch immer ermittelten VO2max anzeigen, wird das Training in Frage gestellt und unreflektiert, noch mehr und noch härter weitertrainiert. Dabei werden die Warnsignale des Körpers übergangen. Kleine Zipperlein werden ignoriert, denn das gehört für viele einfach dazu. Halskratzen, Aphten auf der Munschleimhaut, Heißhunger auf Süßes, Ein- und Durchschlafstörungen etc. billigend in Kauf genommen.

In meinen 15 Jahren als Coach hab ich schon zig Sportler erleben müssen, die all diese Signale ignorieren und es als Todsünde einstufen, den Trainingsplan nicht 1:1 erfüllen zu können. Bei solchen Sportlern findet man im Trainingstagebuch nur positive Einträge, sie fühlen sich grundsätzlich immer gut, denn geschwächelt wird als harter Eisenmann natürlich nicht.

Doch, wie so oft im Leben, ist weniger oft mehr. Soll heißen, dass ein frühzeitiges Ziehen der Reißleine manche Athleten davor bewahren kann, in einen Zustand des non-funktionalen Overreachings oder sogar des Übertrainings zu gelangen, Krankheiten abzuwenden oder deren Dauer zu reduzieren. Die Chancen, in körperlicher und mentaler Top-Form an der Startlinie des Hauptwettkampfs zu stehen, nehmen dadurch immens zu. Doch sind heutzutage vielen Athleten die Fähigkeiten der Selbstreflekion abhanden gekommen, sie verlassen sich nur auf die o.g. Metriken und/oder Werte wie CTL, ATL, TSS, TSB etc. ohne wirklich in sich hineinzuhören.

Um Sportlern eine Hilfestellung bei der Entscheidungsfindung zu geben, habe ich untenstehende Graphik erstellt, die gemäß der Ampelfarben wirklich leicht verständlich sein sollte.

 

 

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Bleibt nach wie vor die Bitte meinerseits, nicht immer den Uhren Glauben zu schenken, sondern sich bewusst mal mit sich selbst auseinandersetzen, den jeweiligen aktuellen Zustand abzuklopfen und sich zur Sicherheit mit dem Trainer zum weiteren Vorgehen abzustimmen.

Train hard, but smart!

 

Mein Ausflug in den Para Triathlon

Nach knapp 13 Monaten im Amt des Cheftrainer Para Triathlon, muss ich diesen Job leider schon wieder an den Nagel hängen. Das Innenministerium hat dem Behindertensport einen immensen Mittelaufwuchs gewährt, so dass alle bisherigen Honorartrainer ,so eben wie meine Wenigkeit, in eine Festanstellung in Vollzeit überführt werden sollen. Darüber hinaus wird die Verantwortung im Para Triathlon nun endlich auf den Spitzenverband, also die DTU, übertragen. Die DTU hat fast 2 Jahre um diese Stelle gekämpft und nun diese nun auch bewilligt bekommen. Ich kann aber unmöglich mein in 15 Jahren aufgebautes eigenes Business für eine auf erstmal 2 Jahre befristete Stelle aufgeben und hab ich mich somit gegen eine entsprechende Weiterbeschäftigung entscheiden müssen, auch wenn dies bedeutet, dass damit mein Traum, unsere Athleten bis zu den Paralympics in Tokyo 2020 zu führen und mit ihnen Medaillen zu gewinnen, wie die berühmte Seifenblase geplatzt ist.

Ich bin gefühlstechnisch sehr ambivalent, denn für mich persönlich ist das ein ziemlicher Schlag ins Gesicht, aber auf der anderen Seite hat der Para Triathlon in Deutschland durch eben die neu geschaffene Stelle des  Bundestrainers in Vollzeit eine deutlich bessere Chance, sich noch weiter zu professionalisieren. Aufbau eines Bundesstützpunkts, Nachwuchssichtung und engere Zusammenarbeit mit den im Kader organisierten Athleten sind Dinge, die ein Honorartrainer nur bedingt leisten kann.

Das vergangene Jahr war für mich als Coach sehr intensiv und aufschlussreich. Ich konnte Einblicke in die Arbeit der Sportverbände gewinnen, die Sportart Triathlon eigentlich nochmals neu kennenlernen, meine Biomechanik-Kenntnisse auffrischen und meine Beobachtungsgabe schärfen.

Ich habe in dieser Zeit viele gute Gespräche mit „Fachkollegen“ anderer Nationen führen und sehr kollegialen Gedankenaustausch auf Augenhöhe erleben können.

Ich möchte mich bei allen Athleten bedanken, die Zeit war einfach der Hammer. Ich bin immer noch nachhaltig beeindruckt, wie die Behinderungen kompensiert werden und es zeigt mir, dass meistens „viel mehr geht“ als man im Allgemeinen glauben mag. Der Kopf entscheidet und nicht der Körper!! Ich bin froh, diese Athleten kennengelernt zu haben, es sind Freundschaften entstanden! Die Autofahrt ins australische Hinterland als Teambuilding-Maßnahme im Vorfeld der WM an der Gold Coast wird mir immer in Erinnerung bleiben, ich hab selten so lachen müssen!!!

Danke für das entgegengebrachte Vertrauen seitens DBS und DTU.

Besonderer Dank gebührt Dennis Sandig, der mich überhaupt ermutigt hat, mich auf diese Stelle zu bewerben und mir damit diese Erfahrung ermöglicht hat.

Last but not least, möchte ich mich bei Nadine Rucktäschel von der DTU bedanken, denn sie hat mich innerhalb kürzester Zeit vollumfänglich mit den administrativen Besonderheiten des Para Triathlons vertraut gemacht!

Ich wünsche den Athleten mit dem alten und neuen Bundestrainer Tom Kosmehl, der die allerbeste Wahl für dieses Amt darstellt, alles Gute und den wohl verdienten Erfolg für die harte Arbeit.

Danke für diese wunderbare Zeit!

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Das Zusammenspiel von Athlet und Coach

Vor einiger Zeit konnte ich mich mit Dan Lorang, dem wohl aktuell erfolgreichsten Coach im Ausdauersport, zur Organisationsstruktur des Team BORA-Hansgrohe austauschen und hab dabei einige Gemeinsamkeiten zu meiner Arbeit als Triathlon-Coach feststellen können.

Triathlon ist mittlerweile zu einem großen Wirtschaftsfaktor herangewachsen. Die Zeiten, in denen man als Triathlet noch als Exot galt, sind Geschichte.

Mit dieser Entwicklung haben sich auch einige neue Berufsfelder aufgetan, die in ihrer Expertise zum Teil fragwürdige Lücken aufweisen.

Ich hab immer wieder mit Situationen zu tun, in denen Sportler vermeintliche Ratschläge von aussen erhalten, sei es durch Eigenstudium mancher Internetforen, Magazinen, facebook-Gruppen o.ä. oder durch Einflussnahme durch Personen von aussen.

Dabei ist für mich die untenstehende Graphik von elementarer Bedeutung in der Beziehung von Athlet und Coach.

 

Organigramm

Der Athlet steht im Zentrum und wird durch den Coach nach aussen hin „abgeschirmt“. Das soll nicht bedeuten, dass kein Kontakt zu anderen Berufsgruppen zulässig wäre, mir ist es dabei jedoch wichtig, dass Informationen aus dem nächstgrößeren Kreis derer, die Einfluss nehmen könnten, zuerst an den Coach herangetragen und nicht blind an den Athleten übertragen werden. In den vergangenen Jahren sind dabei immer wieder Missverständnisse und Fehlinformationen entstanden, insbesondere dann, wenn Sportler in organisierten Trainingslagern mit anderer „Trainingsphilosophie“ oder bei Leistungsdiagnostikinstituten gewesen sind.

Die Zusammenarbeit von Coach und Athlet beruht auf gegenseitigem Vertrauen, einer gemeinsamen Basis, die von aussen zum Teil gefährdet wird.

Für mich gilt daher gemäß der Graphik, dass der Informationsgehalt von innen nach aussen immer weiter an Wichtigkeit und Bedeutung abnimmt.

Dies alles soll nicht bedeuten, dass der Coach als Weisheit letzter Schluss zu verstehen ist, denn auch ein sehr gut ausgebildeter Trainer mit großem Erfahrungsschatz kann niemals alles wissen. Daher sollten Ideen und Vorschläge von aussen immer zuerst mit dem Trainer abgesprochen werden, damit dieser diese Ideen auch versteht und für sich Rückschlüsse für den Trainingsalltag ziehen kann, denn nur so kann gewährleistet sein, dass das Wissen externer Experten auch sinnvoll umgesetzt wird.

Teamwork ja, aber in geordneten Bahnen!

Train safe!
Mario

 

Beobachtungen zu Krankheiten und Verletzungen im Kontext Trainingslager

Mit Anfang Mai endet traditionell die Hochphase der Trainingslager im Süden.

Zeit, diese Periode hinsichtlich der Häufung von Krankheiten und Verletzungen zu beobachten.

Ich hab 2018 angefangen, alle Trainingsausfälle, die man einem Trainingslager zuordnen kann, zu dokumentieren. Durch einen Wechsel der Coaching-Software kann ich leider keinen längeren Zeitraum überblicken

Dabei sind mir folgende Dinge in Häufung aufgefallen.

  • Anzahl der Fälle in Summe etwa gleich
  • im Monat Februar besteht eine erhöhte Gefahr
  • deutlich größere Zahl der Fälle in organisierten Camps mit Reiseveranstaltern. Offensichtlich führt die gesteigerte Gruppendynamik zur erhöhten Zahl von Krankheiten/Verletzungen
  • die Anzahl der Radstürze hat leicht zugenommen
  • kritischste Phase bzgl. des Immunsystems scheint in den ersten 3 Tagen nach Rückkehr zu liegenBildschirmfoto 2019-05-04 um 20.11.50

 

Beobachtungen zu Überlastungsproblematiken Lauf im Triathlon

Beobachtungen zu Überlastungsproblematiken Lauf im Triathlon 

Gestern hat mich wieder einmal eine Nachricht ereilt, in der ein von mir betreuter Sportler über Achillessehnenprobleme klagt. Als er mir auf meine Nachfrage, welchen Schuh er denn laufe, antwortet, hab ich mich nun doch entschlossen, meine Beobachtungen zu Überlastungen beim Laufen und dem Tragen von Schuhen diverser Marken zu veröffentlichen.

Ich möchte hierbei ganz klar zum Ausdruck bringen, dass das eine rein empirische Beobachtung seit März 2015 meinerseits ist und ich unabhängig bin und nicht von einem bestimmten Laufschuhhersteller „gekauft“ wurde, um Marken-Bashing zu betreiben.

Ich möchte die untenstehende Tabelle auch gar nicht sonderlich bewerten und einen einzelnen Hersteller in die Pfanne hauen, zumal es ja auch nicht sicher sein muss, dass die Verletzungen durch eben einen Schuh hervorgerufen wird, da durchaus auch mehrere Modelle im Wechsel genutzt werden. Ich hab dann immer wieder rückgefragt, welcher Schuh vor Auftreten der Verletzung verstärkt getragen wurde.

Auffällig sind jedoch 3 klare Muster:

  1. hohe Sprengung/ viel Dämpfung führt vermehrt zu Runner’s knee
  2. flache bis keine Sprengung führt vermehrt zu shin splints
  3. Schuhe, die zu einem dynamischen Laufen verhelfen sollen, scheinen der absolute Killer zu sein und rufen vermehrt Probleme in der unteren Extremität hervor. 

Die „High scores“ mit den meisten Überlastungen hab ich farblich markiert

Tabelle Verteilung Laufüberlastung

Am Ende zeigt sich klar, dass nicht ein spezieller Schuh aus einem Ackergaul ein Rennpferd werden lässt und der Ansatz, dass ein Schuh einen Athleten verbessert, nur bedingt richtig ist.

Manche Modelle brauchen besondere Anpassungen bzgl. der Lauftechnik. Wenn diese Veränderungen ausbleiben, wirds gefährlich.

Ich denke, dem gemeinen Leser dürfte klar werden, welches Schuhkonzept keine Empfehlung meinerseits bekommen wird;-)

 

 

 

 

Der Hype ums Radfahren im bergigen Terrain

Der Hype ums Radfahren im bergigen Terrain 

Ich muss mich zusehends wundern, was sich auf Mallorca oder in anderen Trainingsrevieren so abspielt. Da werden Höhenmeter en masse gesammelt, am ersten Trainingstag nach Orient gefahren, kein Radausfahrt ohne ein „Highlight“ in Form einer Bergbezwingung eingeplant.

Wenn man sieht, wie viele Menschen sich nach Sa Colbra im März und April hochqäulen, kann man sich schon fragen, ob das für alle triathletischen Leistungsklassen und insbesondere im Trainingslager sinnvoll ist. Ich hab da eher das Gefühl, es geht hierbei um die Eventisierung des Banalen, da eben Sa Calobra zu einem „echten Trainingslager dazu gehört“.

Ich seh das komplett konträr und stelle mal eine ketzerische These auf, dass solche Trainingseinheiten für 85% aller Triathleten im Frühjahr eher kontraproduktiv sind.

Nicht falsch verstehen, ich bin schon Freund des Kraftausdauertrainings in allen 3 Disziplinen, doch wie bei allem im Leben, macht eben die Anzahl das Gift.

Wenn man sich das Anforderungsprofil eines klassischen Langdistanzrennens (ausgenommen: Wales, Lanzarote, Embrunman etc.) anschaut, stellt man recht schnell fest, dass die kumulierten Höhenmeter zwischen 800 und 1800hm liegen, also ein Profil aufweisen, dass in einem Roadbook der Tour de France eher als Null-Linie eingezeichnet wird, ergo ist eine besondere Fähigkeit des Radfahrens im Ironman erforderlich: das kontiunierliche Treten.

Wird nun aber im bergigen Terrain trainiert, hat man zwar bergauf etwas mehr Leistung auf dem Pedal und generiert dadurch auch einen höheren Kraftreiz und verändert unter Umständen sein Muskelfaserspektrum von schnellzuckenenden und kohlenhydratraubenden Typ IIx-Fasern hin zu Ausdauerfasern des Typ I, hat aber dann nachfolgend bergab eine deutlich geringere Last zu überwinden. Wenn man Powermeter-Files aus Grundlageneinheiten im bergigen und flach/welligen Terrain miteinander vergleicht, sieht man recht deutlich, dass i.d.R. im Flachen 

  1. kontinuierlicher Leistung erbracht wird
  2. die Durchschnittsleistung höher ist.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass einige „Flachlandtiroler“ nur bedingt an eben diese hohen Kraftreize gewohnt sind, sprich sich relativ häufig Überlastungsproblematiken in Form von Knie- und Rückenschmerzen durch zu viele Höhenmeter einstellen. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass bei teilweise einstelligen Temperaturen bergab eine große Auskühlungs- und Erkältungsgefahr droht, verringern sich die Argumente pro permanentem Training in den Bergen noch mehr.

Ich würde daher das KA-Training am Berg immer bewusst als besondere Trainingsform und kontrolliert durchführen, also einen Berg mit ca 10min Dauer mehrere Male hochfahren und die Pause durchs Bergabrollen füllen und weniger randomisierte Anteile KA durch dauerhaftes Fahren in den Bergen einbauen.

Ein Trainingslager dient am Ende immer noch dazu, Form nachhaltig aufzubauen. Was hat ein Athlet davon, wenn er knieschmerzen- oder infektbedingt sein Camp nicht so absolvieren kann, dass es ihm etwas bringt? Unterm Strich sollte in einem Camp für Age-Grouper nicht zu intensiv (auch im Flachen eher zu langsam als zu schnell) trainiert werden. Dazu zählt das Meiden zu langer Anstiege und langer Läufe, die muskulär zu fordernd sind. Viele Sportler sind schon mit 4-5h Ausfahrten im Flachen überfordert und statt erstmal „unten“ zu bleiben, wird sich gnadenlos abgeschossen.

Unter http://sisu-training.de/allgemein/trainingslager-2018-irgendwas-ist-anders/ hab ich bereits letztes Jahr einige „Auswüchse“ in manchen Camps in Frage gestellt.

Das Training des Fettstoffwechsels ist immer noch der entscheidende Erfolgsfaktor auf der Langdistanz. Auch flaches Training im GA1 bedeutet Trainingsqualität, so dass alle Befürtworter des inflationär genutzten Schlagworts „Qualität vor Quantität“ auch abgeholt werden!

Gemäß dem Prinzip „lieber den Spatz in der Hand“ sollte sichergestellt werden, dass das geleistete Training auch fruchtet und eben nicht schadet.

Train safe und FLACH!
Mario

 

 

Schwarz/Weiß- oder doch vielleicht grau?

Ich habe heute einen Blog-Artikel von Brett Sutton gelesen, der mich etwas zum Nachdenken angeregt hat. Er schreibt unter https://team.homeoftriathlon.ch/en/teams/home-of-triathlon/blog/triathlon-s-biggest-addiction?fbclid=IwAR2rlItMCehY–jPDLyhFtPR0zSAHzWKIx3UMnoUZIClUGLkQgoUFTdd7SY über den Einsatz und die Verbreitung von Messgeräten (Powermeter, GPS-Uhren, HF-Messer) im Triathlon.

Ich schätze Brett sehr als Trainer und Person und sein sehr großer Erfolg gibt ihm an vielen Stellen Recht. Ich störe mich jedoch immer mehr etwas an seiner z.T. sehr polemischen Schwarz-Weiß-Denkweise. Es werden gerne mal andere Sichtweisen, die nicht seiner Philosophie entsprechen, als „bullshit“ an den Pranger gestellt. Ich denke, da macht er sich zu einfach und schert alle Athleten und Trainer über einen Kamm, denn oftmals ist die Realität keineswegs so einseitig zu betrachten, wie es leider von vielen Menschen heute gerne gemacht wird.

Ich bin ganz klar seiner Meinung, dass im Triathlon oft zu viel gemessen wird und Athleten leider oft länger mit dem Analysieren des Trainings als mit dem Training selbst beschäftigt sind. Man muss an der Stelle jedoch auch ganz klar differenzieren können, denn nicht jede gemessene Metrik ist als Nonsense zu bezeichnen, auch wenn einige Werte es sicher sind

Bodenkontaktzeiten im Links-Rechts-Seitenvergleich, SWOLF-Werte, Vertikaler Hub beim Laufen u.a. sind in meinen Augen solche Werte, die man nicht unbedingt als wichtig schätzen muss und die man auch gerne mal ignorieren darf- oder sogar ignorieren muss. 

Einige dieser Metriken findet man in meinem Periodensystem des Triathlons.

 

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Auf der anderen Seite können die diversen Messgeräte hilfreiche Werkzeuge im Arsenal eines Triathleten sein, um subjektiv per Belastungsempfinden eingeschätzte Leistungen auch objektiv per Datenlage zu betrachten.

Ich sehe Wearables als sinnvolle Hilfsmittel an, die einigen Athleten und Trainern auch einen Nutzen bringen können. Es gibt jedoch Athleten, die durchaus „old school“ unterwegs sind und die man mit dem Einsatz solcher Instrumente eher vergraulen wird. Ein geschulter Trainer muss immer individuell auf die Bedürfnisse des Sportlers eingehen, ihn zum Einsatz oder auch zum Weglassen der Messgeräte bewegen. Dazu muss man aber erst einmal verstehen können, was die ermittelten Werte bedeuten, welche Informationen für das weitere Training man daraus ableiten kann und letztendlich, welche Metriken man den jeweiligen Sportler individuell messen lassen sollte. Man kann Sportler aber nicht über die pure Anwendung von Formeln und Zahlen führen, sondern sollte das gern zitierte Big Picture nicht aus den Augen verlieren. Wenn „all the gear- no idea Athleten“ blind drauflos messen, bin ich ganz klar Bretts Meinung. Ich denke daher, dass man als Coach die Sportler, mit denen man zusammenarbeitet, eher hinsichtlich eines gezielten Einsatzes dieser Werkzeuge schulen sollte, als undifferenziert alles in diese Richtung abzulehnen.

 

 

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Erfahrungen, Zuhören und Beobachtungsgabe sind wichtige Punkte in der Arbeit als Trainer. Die Sportwissenschaft als noch junges Feld entwickelt sich jedoch auch weiter und hat ebenfalls ihre absolute Daseinsberechtigung. Ich denke daher, dass es nicht richtig ist, alles Wissenschaftliche zu ignorieren und nur basierend auf Erfahrungen zu agieren.

 

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Ich bediene mich in meiner Tätigkeit als Coach eher aus beiden Bereichen und möchte meine Ideen, Beobachtungen und Erfahrungen der letzten 15 Jahre gerne auch trainingswissenschaftlich untermauern. Dazu muss man aber offen für neue Strömungen sein, sein eigenes Handeln reflektieren und sich durchaus auch selbst in Frage stellen können.

Letztendlich führen viele Wege nach Rom…

Mario

 

Consistency is key oder stumpf ist Trumpf

STUMPF-IST-TRUMPF

Die Kontinuität und das Wiederholen von bestimmten Einheiten sind die wohl entscheidenden Punkte erfolgreicher Athleten, denn es gibt keine geheime Trainingseinheit, mit der man sich vom Ackergaul zum Rennpferd transformieren kann. Ich muss euch da leider enttäuschen, es gibt keine Abkürzung auf dem Weg zum Erfolg.

Kontinuität ist Trumpf

Trainiere jeden Tag, JEDEN und manchmal 2-3x pro Tag! Schmeiß dem Körper nahezu täglich einen Reiz hin, den er verarbeiten muss. Lieber in kleinen Häppchen trainieren, als 2-3 große “Epic Social Media Poser-Einheiten” pro Woche einzuplanen. Solche fordernden Einheiten müssen zwar auch von Zeit zu Zeit sein, aber in der Philosophie von sisu-training schlägt die Gesamtheit aller Einheiten das Volumen und die Intensität einer einzelnen Session. Killer-Einheiten bedeuten ein höheres Verletzungsrisiko, brauchen entsprechend länger zur Regeneration und führen unweigerlich bei permanentem Durchführen zu einem On/Off-Schema, welches dann unterm Strich weniger Trainingsvolumen durch die eingeplanten Ruhetage bedeutet als kleinere, dafür regelmäßigere Einheiten. Der obligatorische Ruhetag muss nicht zwangsläufig sein und wird dem Sportler eigentlich nur “gewährt”, wenn dieser ihn zwingend braucht, um seinen Alltag organisiert zu bekommen, Beziehungen zu pflegen etc. Tägliches Training jedoch führt zu einem unterschwelligen Grad an Ermüdung. Klingt erstmal negativ, allerdings ist dieses Grundrauschen in Form von Ermüdung hilfreich dabei, dass sich der Sportler durch eben diese Vorermüdung leichter und schneller an Belastungen adaptieren kann. Ein weiterer Benefit des täglichen, kontinuierlichen Trainings ist der, dass bei Trainingsausfall durch Stress im Job, kranke Kinder etc. “verloren gegangene” Einheiten leichter zu kompensieren sind als wenn eine von 3 Monstersessions in einer Woche ausfallen muss. Wenn dabei noch die von mir seit 15 Jahren gepredigte Kontinuität des spezifischen Reizes eingehalten wird, also Sportler in Trainingsintensitäten trainieren, die ihrem Wettkampfformat, dem Leistungszustand und dem Jahreszeitpunkt entsprechen, dann steht einer nachhaltigen Leistungsentwicklung nichts im Wege. Kleiner Hinweis an alle, die sich in den diversen sozialen Medien selbst beweihräuchern. Die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) verbessert sich NICHT nur durch das Fahren von 40/20-Intervallen auf der Rolle, sondern ist in erster Linie abhängig von der Trainingshäufigkeit und dem Training der Grundlagenausdauer. Auch hier gibt es, auch wenn es von so manchem selbsternannten Experten propagiert wird, keine Abkürzung durch das Absolvieren solcher Sessions.

Eines der sinnvollsten und hilfreichsten Mittel im Training ist das Prinzip der Wiederholung.

Durch das Wiederholen bestimmter Einheiten über einen gewissen Zeitraum, können Athleten ihre Bewegungsökonomie verbessern, ein besseres subjektives Belastungsempfinden und Selbstvertrauen entwickeln und Fortschritte im Trainingsjahr besser wahrnehmen.
Sich wiederholende Einheiten haben nichts mit Faulheit des Trainers zu tun!!!!

Löse dich vom Gedanken, dass Wiederholungen Langeweile bedeuten. Sie helfen dir stattdessen, mental stärker zu werden und die Monotonie einer Langdistanz besser kopfmäßig zu verarbeiten.

Verbesserung der Bewegungsökonomie

Zum Beispiel kann durch den wiederholten Einsatz des Laufbands bei bestimmten Laufeinheiten (0% Steigung einstellen)  die Schrittfrequenz, Quickness und Turnover etc. ökonomisiert werden. Das reduziert spürbar die Bodenkontaktzeit und nimmt die exzentrische Last der Oberschenkelvorderseite raus.

Training der sog. Concentration Skills

Sich wiederholende GA1-Einheiten mit Focus auf Bewegungsausführung sorgen dafür, dass sich das Bewegungsmuster einschleift, das Bewegungsvorstellungsvermögen des Athleten besser wird. Man pimpt quasi das Grundlagentraining durch Technikinhalte, sorgt für eine Verbesserung der Motorik und schlägt somit 2 Fliegen mit einer Klappe

Verbesserung des subjektiven Belastungsempfinden

Über die Zeit entwickeln Sportler, die sich wiederholende Einheiten absolvieren, ein sehr gutes Gefühl für ihre subjektive Leistung und Belastung am jeweiligen Tag, Stichwort: train by feel!!

Wissen, was einen erwartet

Gerade Age-Grouper mit eingeschränktem Zeitbudget können vom Prinzip der Wiederholungen profitieren, denn wenn sie bestimmte Einheiten mit Routine durchführen, entfällt das zeitintensive Nachschauen im Trainingsplan bei neuen Einheiten. Sie wissen, was sie erwartet und können sich darauf besser einstellen

Dokumentation des Fortschritts

Wenn sich Einheiten im Trainingsprogramm wiederholen, können Sportler ihre Leistungsentwicklung ohne aufwendige Leistungsdiagnostiken etc.festmachen. Wenn ein Sportler 800m-Intervalle in Zeit X und Herzfrequenz Y läuft und er 2 Wochen später die gleiche Einheit im Programm hat, kann er im direkten Vergleich die Leistungssteigerung subjektiv und objektiv erkennen.

Entwicklung des Bewusstseins für Ruhe oder Pause

Sportler lernen durch das Repetieren, wie sie sich verhalten sollten, wenn sie sich am jeweiligen Tag besch…fühlen. Sie können sich deutlich besser einschätzen!

Aufbau der sportartspezifischen Kraft

Triathlon braucht, wie jede andere Sportart auch, eine gewisse „Menge“ an Kraft zur optimalen Performance. Wiederholungen im Training dienen genau dazu, diese sportartspezifische Kraft aufzubauen. Sich regelmäßig wiederholende Paddles-Serien, KA-Intervalle auf dem Rad oder Bergan-Läufe sollten in keinem Trainingsplan fehlen.

Stumpf ist Trumpf, wenn es (wie alles im Leben) mit Hirn eingesetzt wird!
Mario

 

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Ironman® TriClub Ranking 2018

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Zeit also, die Ionman®-Saison 2018 etwas genauer zu betrachten. Nach den beiden Weltmeister-Titeln 2016 und 2017 musste das TEAM sisu-training in 2018 in der Division II (126-199 Athleten) starten. Da wir bzgl. der Personenstärke am unteren Rand der Division anzusiedeln sind, war im Vorfeld recht schnell klar, dass wir gegen die Teams mit knapp 200 Athleten kaum eine Chance haben würden, zumal in Europa deutlich weniger Ironman-Rennen als in USA auf dem Kalender stehen. Die grade in Europa populäre Challenge-Serie  hat einige potentielle “Punktelieferanten” außen vor gelassen. Wie bereits in den beiden Vorjahren, hab ich mir das Ranking genauer angeschaut, um einen Eindruck bzgl. der Qualität der einzelnen Teams zu bekommen, da das Ranking in bisheriger Form lediglich abbildet, wie viele Athleten am Ende des Jahres bei Ironman®- Rennen gestartet sind. Die untenstehenden Tabellen sollen zeigen, wie das Ranking aussehen würde, wenn nicht der kumulative, sondern qualitative (Anzahl der gesammelten Punkte dividiert durch Anzahl der Rennen) Aspekt ins Spiel kommt. Wenn dieser Aspekt über die Vergabe des WM-Titels entscheiden würde, wäre das TEAM sisu-training erneut Weltmeister, dieses Mal in der Divison II, geworden. So ist leider nur ein 5. Platz global, aber ein 1.Platz EMEA in dieser Divison dabei herausgesprungen.

TriClub Ranking 2018

Ich bin dennoch sehr zufrieden mit der Leistung des gesamten Teams, denn es zeigt, dass Masse und Qualität sich nicht gegenseitig aushebeln!

Weihnachten ist zwar rum, aber ich würde mir dennoch eine Änderung oder Anpassung des TriClub-Regelwerks wünschen, damit am Ende nicht nur Vielstarter mit einem Top-Ranking belohnt werden, sondern die Qualität eines Teams sich in dieser Wertung widerspiegelt.

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In diesem Sinn, alles Gute für das kommende Jahr.

Mario

 

Saisonstatistik 2018

Das Jahr 2018 neigt sich dem Ende zu, Zeit also, das Zurückliegende näher zu betrachten. Hinter jedem bestrittenen Rennen liegen unglaubliche Geschichten aus dem Trainingsalltag, Hochs und Tiefs, Diskussionen, aber auch unglaublicher Enthusiasmus von Sportler- und Trainerseite. Jedes einzelne Rennen ist es wert, gewürdigt zu werden, denn in jedem Rennen steckt eine Menge Arbeit!!

Was dabei in 2018 an Zahlen herausgesprungen ist, könnt ihr hier nachlesen:

Saisonstatistik 2018

Der inflationär genutzte Hashtag #proudcoach trifft mehr denn je zu.

Danke, dass ich daran teilhaben darf!
Mario