Die korrekte Position der Pedalplatten im Triathlon

Die korrekte Position der Pedalplatten im Triathlon

Ums vorweg zu nehmen, ich möchte nicht ins Bikefitting-Business einsteigen, sondern viel mehr auf einige Mißstände in dem Bereich hinweisen.

Als Coach von mittlerweile fast 700 Langdistanzen, hab ich in den letzten 13 Jahren als Trainer eine große Menge an Sportlern betreuen dürfen. Zu Beginn meiner Tätigkeit als Trainer gab es keine Fitter, man ist in den Radladen seines Vertrauens gegangen und hat sich beim Kauf des Rads entsprechend „fitten“ lassen.

Ab 2007 sind dann immer mehr Vermesser auf den Markt gekommen, mit ganz unterschiedlichen Blickwinkeln, Backgrounds in Theorie und Praxis. Die nachfolgenden Zeilen sind auch nur für den Triathlon bestimmt, denn im Mountainbike-Sport, bei Strassenrennen oder Kriterien werden durchaus andere Positionen gefahren als im Triathlon.

Zum ersten Mal stutzig bzgl der Arbeit so mancher Sitzpositions-Verschlimmerer bin ich vor 5 Jahren geworden, als ein Sportler in der Vorbereitung auf den Ironman Südafrika während eines Radblocks mit reduziertem Laufumfang über Achillessehnen-Schmerzen geklagt hat. Ich hab sein Trainingstagebuch gewälzt, um etwaige Überlastungen zu entdecken. Ich hab mir damals lange den Kopf zerbrochen bis ich auf die Idee kam, mir mal die Cleat-Position seiner Radschuhe zeigen zu lassen. Die Cleats waren am vordersten Ende der Verstellmöglichkeiten durch einen Fitter montiert. Diese Problematiken haben sich seitdem mehrere Male bei leider sehr vielen Athleten wiederholt, so dass ich leider ganz klar nicht mehr von einem Einzelfall sprechen kann/muss.

Radvermessung ist ein komplett neues Feld, die Studienlage ist noch sehr jungfräulich, es gibt noch keinen gesicherten Standard. Wenn man jedoch selbst mal Rad gefahren ist, diverse Pedalpositionen getestet, gespürt und/oder das kleine Einmaleins der Biomechanik verstanden hat, dann braucht man keine aufwendigen Untersuchungen. Wenn man dann die Sportart Triathlon und insbesondere Ironman in der Komplexität und dem Zusammenspiel der einzelnen Disziplinen und die jeweiligen Anforderungsprofile der Einzelsportarten verstanden hat, dann kann man sich leicht erarbeiten, dass im Triathlon eine Cleatposition ganz vorne vollkommen sinnbefreit ist. Durch diese Position erhöht sich signifikant die Last auf der Achillessehne und der Wade, doch beide Bereiche werden aber beim nachfolgenden Laufen sehr stark beansprucht. Daraus ergibt sich für mich die Notwendigkeit, die Cleats tendenziell ganz nach hinten zu schieben, um eben diese Last zu verringern. Hinzu kommt, dass sich durch Verschieben der Cleats nach hinten, die Möglichkeiten, Druck auf das Pedal in der vortriebswirksamen Phase auszuüben, deutlich verbessert, weil eben mehr Anteile des Fuß über der Pedalachse sitzen und nicht nur der Vorfuß wie bei ganz nach vorne geschobenen Cleats.

Götz Heine, der Erfinder der sog. Mid Cleat-Position, also der Positionierung der Cleats unter dem Mittelfuß hat auf seiner Website ein entsprechendes Diagramm dargestellt, dass die Vorteile der Mid Cleat-Position zeigen. Das Prinzip ist jedoch auch das Gleiche, wenn man mit herkömmlichen Cleats, aber so weit hinten wie möglich montiert, unterwegs ist.

http://www.biomac.biz/die-y-serie/tretpiktogramm/

Doch schlimmer gehts immer, denn auf Rückfrage unter meinen Athleten, haben leider einige bemerkt, dass die sog. Profi-Fitter sich teilweise nicht mal die Cleat-Position angeschaut haben. Die Einstellung der Platten ist aber absolut elementar, denn dadurch ergeben sich erst andere Parameter wie Sattel- und Lenkerhöhe. Da muss ich mir leider schon an Kopf fassen und mich fragen, nach welchen Kriterien denn die Sitzposition bestimmt wird. Per Würfeln oder Raten?

Ähnlich wie im Trainingsalltag, muss man wohl sagen, dass sich der Habitus „all the gear- no idea“ auch unter den Fittern breitmacht. Was nützen die aufwendigsten Tools wie Retül, Druckmessplatten in Schuhen und auf dem Sattel, wenn die Basics in Sachen Biomechanik offensichtlich nicht erfasst wurden. Für mich ist der Einsatz solcher Tools oftmals Augenwischerei und soll über manche Lücken im Bewegungsverständnis hinwegtäuschen. Wer dann für solch eine Arbeit auch noch einen stattlichen Betrag einfordert, den darf man dann doch auf irgendeine Weise als Scharlatan bezeichnen.

In den diversen Trainingslagern, die ich über die letzten Jahre, u.a. zusammen mit Lothar Leder, veranstaltet habe, haben wir schon so oft die Sitzhöhen und Cleat-Positionen während des Trainings verändert., wenn wir gemerkt haben, dass manche Athleten schlichtweg kein Druck aufs Pedal bekommen haben durch eben eine falsche Cleat-Position, was zur Folge hat, dass die Veränderungen direkt gespürt und unter Realbedingungen umgesetzt werden können.

Ums Abzukürzen: Ich kenne nicht alle Fitter Deutschlands und kann nur die Arbeit derer beurteilen, die ich per Foto meiner Athleten geschickt bekommen hab. Uneingeschränkt empfehlen kann ich aktuell IQ Athletik in Frankfurt, Bikerite in Bad Vilbel und Cyclefit in Bensheim.

Wer Kunde eines Radladens ist, dessen Besitzer oder Verkäufer ehemaliger oder aktiver Rennfahrer oder Triathlet ist, wird wahrscheinlich sehr oft besser beraten als bei so manchen Fitting-Institut, wenn der Fitter eben keinen blassen Dunst von seiner Tätigkeit hat.

Hier einige Links, die das Thema aufgreifen:

https://trisutto.com/cleat-positions/

http://www.joefrielsblog.com/2014/11/midsole-cleats-and-pedals.html

http://www.trainerexperten.com/pedalplatten-die-mittelfusposition/

http://www.jsc-journal.com/ojs/index.php?journal=JSC&page=article&op=view&path%5B%5D=14

Die nachfolgende Studie kam jedoch zum Ergebnis, dass es keine signifikanten Verbesserung im Radfahren und Laufen auf der olympischen Distanz gäbe.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=cycling+shoe+cleat+position

Wäre interessant, wenn es mal eine Untersuchung zum Thema für die Langdistanztriathleten gäbe, das Ergebnis kann ich mir schon ganz gut vorstellen.

Hier noch eine Collage aus einigen Bildern, die mir über die letzten 4 Wochen zugeschickt wurden.

Cleat Collage

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