Feingefühl statt Kraft: Wahrnehmungshandschuhe (HÄNN) im Schwimmtraining für Triathleten

Wie ein unscheinbares Paar Netzhandschuhe das Wassergefühl revolutionieren kann und darüber hinaus noch einen weiteren genialen Einsatzzweck im Triathlon findet

Ein neuer Ansatz im Techniktraining

Effizientes Schwimmen im Triathlon ist kein Kraftakt, sondern ein Spiel aus Gefühl, Timing und Ökonomie.

Neben klassischen Hilfsmitteln wie Paddles oder Pullbuoys gibt es noch ein weiteres Tool zur Verbesserung des Schwimmens:

 Wahrnehmungshandschuhe (engl. Sensory Mitts) aka HÄNN

Diese feinmaschigen Netzhandschuhe fördern das sensorische Gespür für das Wasser und helfen Triathleten, ihre Zugtechnik zu verfeinern – für mehr Effizienz bei weniger Kraftaufwand.

Was sind Wahrnehmungshandschuhe?

Wahrnehmungshandschuhe bestehen aus einem leichten, durchlässigen Netzgewebe. Anders als Schwimmpaddles, die durch eine vergrößerte Handfläche den Widerstand erhöhen, lassen diese Handschuhe das Wasser hindurchfließen.

Ziel ist nicht, den Arm zu kräftigen, sondern die Wahrnehmung zu schärfen – das berühmte Feel for the Water.

Da sie den Widerstand verringern statt verstärken, kann man diese auch als „Anti-oder Negativ-Paddles“ bezeichnen.

Das Prinzip: Wahrnehmung statt Widerstand

Das feine Netzmaterial verändert die Reize, die an die Rezeptoren der Handflächen und Finger weitergegeben werden.

Beim Durchziehen spürt der Schwimmer kleinste Druckunterschiede und Strömungen intensiver. Das Nervensystem lernt, diese Signale präziser zu deuten und entsprechend die Handstellung und den Anstellwinkel zu optimieren.

Ergebnis:

Mehr Kontrolle über den Druckverlauf – weniger Energieverlust im Zug.

Wahrnehmungshandschuhe trainieren also nicht die Muskelkraft, sondern die sensorische Präzision.

Vergleich: Wahrnehmungshandschuhe vs. Faustschwimmen

Das Training mit Wahrnehmungshandschuhen erinnert an das klassische Faustschwimmen, bei dem die Handinnenfläche „ausgeschaltet“ wird.

Der Unterschied: Die Handschuhe erlauben eine natürliche Handhaltung, während gleichzeitig der Wasserfluss verändert wird.

So entsteht ein permanenter, subtiler Reiz, der das Wassergefühl verfeinert, ohne die Bewegungsmechanik zu verändern.

Ein realistisches, aber bewusstes Schwimmen – ideal für Triathleten, die Technik mit Wettkampfrelevanz trainieren wollen.

Praxis: So setzt man Wahrnehmungshandschuhe gezielt ein

1. Technikfokussiertes Grundlagentraining

Ziel: Wassergefühl und Druckverlauf verbessern.

6×100m (P 0:20) mit Wahrnehmungshandschuhen bei moderatem Tempo

Fokus: ruhiger, langer Zug, gleichmäßiger Druck über Hand und Unterarm

Danach 4×50m (P 0:10) ohne Handschuhe, um den Kontrast bewusst wahrzunehmen

Trainingseffekt: Der Wechsel sensibilisiert das Nervensystem und schult einen gleichmäßigen, effizienten Zug.

2. Einschwimmen vor Technik- oder Krafteinheiten

Ziel: Wassergefühl aktivieren, Bewegungskoordination vorbereiten.

400 m lockeres Einschwimmen

4×50m (P 0:20) mit Wahrnehmungshandschuhen, Fokus auf hohen Ellbogen/ Anstellen des Unterarms

4×25m Steigerungen ohne Handschuhe

Trainingseffekt: Nach dem Abnehmen fühlen sich die Hände im Wasser „griffiger“ an – der Körper ist sofort auf präzises Schwimmen eingestellt.

3. Kombi-Set: Kraft trifft Gefühl

Ziel: Verbindung von Krafttraining und Sensibilität.

3 Serien:

100m mit Paddles/Pullbuoy → Kraft & Druck

100m mit Wahrnehmungshandschuhen → Feingefühl & Technik

100m ohne Hilfsmittel → Integration

Pause nach 100m je 0:20

Trainingseffekt: Der Wechsel zwischen Kraft- und Wahrnehmungsreizen verbessert das Bewusstsein für effizienten Krafteinsatz.

4. Freiwassertraining

Ziel: Wassergefühl unter realen Bedingungen stabilisieren.

3–4×200m mit Wahrnehmungshandschuhen im ruhigen Wasser mit Fokus gleichmäßiger Zug trotz wechselnder Strömungen

Danach 3×100m ohne Handschuhe

Trainingseffekt:

Das Training schult die Fähigkeit, das Wasser zu „lesen“ – also die feinen Veränderungen in Strömung, Temperatur und Dichte wahrzunehmen und darauf zu reagieren.

Ein erfahrener Schwimmer spürt so, wenn das Wasser an einer Stelle stärker „zieht“, sich leichter oder dichter anfühlt, und passt automatisch den Anstellwinkel und die Zugrichtung an.

Gerade im Freiwasser, wo Strömungen, Wellen und andere Schwimmer das Wasser ständig verändern, wird diese Fähigkeit entscheidend für Rhythmus, Effizienz und Orientierung.

5. Regeneration und Technikbewusstsein

Ziel: Aktive Erholung und saubere Bewegungen nach intensiven Einheiten.

200–400m locker mit Wahrnehmungshandschuhen, lange Gleitphasen

100m ohne Handschuhe zum Abschluss

Trainingseffekt: Unterstützt koordinative Erholung und die Verinnerlichung effizienter Bewegungsmuster.

Fazit

Wahrnehmungshandschuhe sind mehr als ein Gimmick oder ein weiteres unnützes Tool im oftmals reich gefüllten Netzsack von Triathleten. Sie sind ein sensomotorisches Trainingsinstrument, das die Schnittstelle zwischen Technik, Gefühl und Effizienz stärkt.

Regelmäßig eingesetzt, verbessern sie das Wassergefühl, die Bewegungspräzision und die Gesamtökonomie des Schwimmens.

Für Triathleten bedeutet das: gleiche Geschwindigkeit bei weniger Kraftaufwand – und mehr Reserven für Rad und Lauf.

Weiterführende Quellen:

The Proprioceptive Senses: Their Roles in Signaling Body Position, Movement, etc. (Proske, 2012)

Effects of proprioceptive training on sports performance (Yılmaz et al., 2024)

Manual Dexterity in Open-Water Wetsuited Swimmers (Morton et al., 2024)

The effect of finger spreading on drag of the hand in human swimming (van Houwelingen et al., 2016)

Proprioceptive State Estimation for Amphibious Tactile Sensing (Guo et al., 2023)

Willy Hirsch, PTO Top 20 und Pos.7 im Schwimmen in 2025 beim ersten Einsatz mit den HÄNN.

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