5. Januar 2022 Mario Schmidt-Wendling

2022- Ziele statt Zahlen. Ein Plädoyer für die Kontinuität im Training

Pünktlich mit dem Jahresbeginn häufen sich die mails mit neu definierten Zielen, Änderungen und Wünschen für die bevorstehende Saison. Daher hier mal ein paar Gedanken meinerseits zu dem Thema.

Wie bereits unendlich oft gepredigt, ist das entscheidende Kriterium hinsichtlich der Leistungsentwicklung ganz klar in der Kontinuität im Training. Je regelmäßiger man das Training bewältigt und adäquat verarbeitet, also regeneriert bekommt, desto eher kann man sich mit einer soliden und stabilen Leistungsfähigkeit belohnen.

Doch wenn es jetzt nur nach dem Prinzip consistency is key laufen würde, könnten alle Athlet:innen auch Rennen gewinnen und erfolgreich sein. Doch genau da liegt der Hase im Pfeffer, denn konsistent zu sein, ist eben nicht ganz einfach und braucht einige Punkte in der Umsetzung, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

Eine realistisch formulierte Zielsetzung, für die man auch das notwendige Commitment aufbringen kann. So lassen sich beispielsweise sub9-Finishes nicht eben mit 1-2 Schwimmeinheiten pro Woche und Auslassen der Athletik-und Mobilityeinheiten erzielen. Manche Einheiten machen keinen Spaß, erfüllen aber einen Zweck. Wer nicht bereit ist, seine Komfortzone zu verlassen, sollte seine selbst gesteckten Ziele abermals überdenken.
Es braucht ein realistisches Zeitbudget, dass man sicher abbilden kann, ohne dabei seine Beziehung/Ehe, seinen Job und Freunde zu vernachlässigen oder zu gefährden.
Triathlet:in zu sein, ist eine 24/7-Aufgabe. Um diese Aufgabe optimal zu erfüllen, braucht es eine gesunde Umgebung mit Menschen, die auf diesem Weg unterstützen. Es braucht eine Umgebung, in der sich die Athlet:in wohl fühlt, in der Faktoren wie Arbeitsbelastung, Familie, Ernährung, Schlaf und Training in Balance sind. Ideal wäre ein Zustand, wie man ihn aus dem Trainingslager kennt, eine Zeit mit vollem Fokus auf Sport ohne externe Stressoren. Da dies nicht immer abbildbar ist, ist selbsterklärend, doch eine Optimierung in diesen Lebensbereichen kann und sollte man dennoch anstreben.
Der beste Trainingsplan auf diesem Planeten bringt nichts, wenn die Regeneration nicht ausreichend gewährleistet ist. Dazu braucht es eine präzise Intensitätskontrolle und eine große Disziplin, um nichts in das leider zu oft anzutreffende Verhaltensmusters des viel zu schnellen Trainingstempo zu verfallen. Gerade im Grundlagenbereich wird leider zu oft viel zu schnell trainiert. Außer einer kumulierten Belastung und vergrößertem Verletzungsrisiko passiert bzgl. der Leistungsentwicklung eher weniger. Das Phänomen des sog. Schnittlauchs, also von Athlet:innen, die immer einen bestimmten Schnitt am Ende des Trainings auf der Uhr haben müssen, ist leider sehr weit verbreitet. Um sicherzustellen, dass ein möglichst hoher IST-Wert des geplanten Trainings sicher und gesund erzielt wird, sprich die consistency zu erzielen, macht es durchaus Sinn, im GA 1 langsamer zu trainieren. Verletzungen und Krankheiten bedeuten Trainingsausfall und gefährden dieses gleichmäßige Training über das ganze Jahr hinweg. Aus empirischer Sicht kann ich sagen, dass bestimmt 80-85% der zu schnell trainierenden Schnittlauche leider nie ihre selbst gesteckten Ziele erreichen werden.

Ziele sind wichtig und helfen, die Dinge richtig einzuordnen. Bitte überdenkt alle, ob das Erreichen bestimmter Kennzahlen im Training ( Schnitt, Watt etc.) immer so notwendig ist oder ob es nicht wichtiger ist, am nachhaltigen, gesunden und zielführenden Trainingsprozess festzuhalten.

Train smart, sometimes (!!!!) hard
Mario