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Der sisu-training Blog

Verstärkung gesucht: Office Manager:in (m/w/d)

Das seit 2004 in Frankfurt am Main ansässige Trainingsinstitut für Triathlon und Ausdauersport zählt zu den weltweit erfolgreichsten Anbietern auf dem Gebiet des Coachings und der Trainingsplanung für Altersklassenathleten mit Schwerpunkt Langdistanz.

Wir suchen zur Verstärkung unseres Teams ab sofort:
Office Manager:in (m/w/d) initial als Minijob, jedoch mit Perspektive auf eine Erweiterung des Tätigkeitsbereichs und entsprechender Vergütung.

Die Aufgaben umfassen:

– Planung und Organisation sportlicher Training-Events
– Pflegen und Weiterentwicklung von Excel-Sheets
– Terminkoordination
– Organisation und Ansprechpartner für das TEAM sisu-training im Ironman® TriClub-Programm
– 4 bis 6x pro Jahr Versand von Textilien etc.
– jährliche Inventur
– Pflege des CRM-Systems
– Optimierung der bestehenden Arbeitsprozesse

Qualifikation:

Obwohl wir im Sport tätig sind, ist es für diese Tätigkeit nicht zwingend notwendig, selbst Triathlet:in zu sein. MS Office-Kenntnisse, insbesondere sehr fortgeschrittene in MS Excel sind verpflichtend, sehr gute Englischkenntnisse in Wort und Schrift ebenfalls.

Wir bieten:
Einen Remote-Arbeitsplatz bei flexibler Zeiteinteilung, jedoch mit monatlicher Präsenz in Frankfurt und Perspektive auf ein erweitertes Anstellungsangebot, Mitwirkung an der Weiterentwicklung von sisu-training und Teil eines der weltweit erfolgreichsten Ironman® TriClub Teams zu werden.

Wenn du dich selbst als teamfähig, dienstleistungsorientiert und flexibel betrachtest, dann würden wir uns über eine aussagekräftige Bewerbung ausschliesslich per email an Mario Schmidt-Wendling msw@sisu-training.de freuen.

Zyklusbasiertes Training- Funktioniert das denn eigentlich?

In den letzten Jahren ist vermehrt das zyklusabhängige Training in die breite Sportöffentlichkeit gelangt. Das Buch „Roar“ von Stacy Sims hat extrem viel dazu beitragen können, dass das Thema Menstruation im Sport aus der Tabuecke kommt.

Bitter, dass man erst vor einigen Jahren verstanden hat, dass Studien im Sport nicht nur mit männlichen Probanden durchgeführt werden sollten, da es zum Teil elementare geschlechterspezifische Unterschiede gibt. Ich habe lange im Rahmen der Recherche zu meinem Buch nach wissenschaftlichen Arbeiten gesucht, die eine klare Handlungsempfehlung hinsichtlich des Trainings in Anpassung des weiblichen Zyklus ausgeben. Zuvor hatte ich bereits mehrere Male das Vergnügen, der Gynäkologin und aktiven Triathletin Dr. Susanne Weber bei unterschiedlichen Anlässen, u.a im Rahmen der Trainerausbildung der DTU, zu diesem Thema referierend zuzuhören.

In der täglichen Arbeit als Coach habe ich bereits vor Jahren begonnen, den Menstruationszyklus zu erfragen, habe in meinem Anamnesebogen, der zu Beginn der gemeinsamen Zusammenarbeit auszufüllen ist, eine entsprechende Rubrik eingebaut. Bei Athletinnen, die rückgemeldet haben, dass sie stärker durch PMS oder Blutungen betroffen sind, lasse ich mir im Trainingstagebuch den Zyklustag angeben. Bei Athletinnen, die zusätzlich mittels HRV-Kontrolle gecoacht werden, kann man den Zyklus i.d.R. recht gut an den HRV-Werten beobachten.

Im Rahmen der angebotenen Sweat Tests habe ich bei weiblichen Probanden immer wieder auf die zyklusabhängigen Differenzen hingewiesen.

Garcia AM, Lacerda MG, Fonseca IA, Reis FM, Rodrigues LO, Silami-Garcia E. Luteal phase of the menstrual cycle increases sweating rate during exercise. Braz J Med Biol Res. 2006 Sep;39(9):1255-61. doi: 10.1590/s0100-879×2006005000007. PMID: 16981051.

Ichinose-Kuwahara T, Inoue Y, Iseki Y, Hara S, Ogura Y, Kondo N. Sex differences in the effects of physical training on sweat gland responses during a graded exercise. Exp Physiol. 2010 Oct;95(10):1026-32. doi: 10.1113/expphysiol.2010.053710. Epub 2010 Aug 9. PMID: 20696786.

Sims ST, Rehrer NJ, Bell ML, Cotter JD. Preexercise sodium loading aids fluid balance and endurance for women exercising in the heat. J Appl Physiol (1985). 2007 Aug;103(2):534-41. doi: 10.1152/japplphysiol.01203.2006. Epub 2007 Apr 26. PMID: 17463297.

Sims ST, Rehrer NJ, Bell ML, Cotter JD. Endogenous and exogenous female sex hormones and renal electrolyte handling: effects of an acute sodium load on plasma volume at rest. J Appl Physiol (1985). 2008 Jul;105(1):121-7. doi: 10.1152/japplphysiol.01331.2007. Epub 2008 Apr 24. PMID: 18436693.

Moderne Activity- oder Health Tracker wie der Oura Ring oder Whoop proklamieren, dass an Hand der gemessenen Temperatur Rückschlüsse zum Zyklus möglich wären.

Oura
Whoop

Das Messen und Bestimmen des Zyklus ist wichtig und richtig, doch wie sieht es mit dem Übertrag in die Sportpraxis aus? Gibt es ausreichende Evidenzen und wirklich fundierte Handlungsempfehlungen oder ist das Ganze doch eher als Narrativ zu werten?

McNulty KL, Elliott-Sale KJ, Dolan E, Swinton PA, Ansdell P, Goodall S, Thomas K, Hicks KM. The Effects of Menstrual Cycle Phase on Exercise Performance in Eumenorrheic Women: A Systematic Review and Meta-Analysis. Sports Med. 2020 Oct;50(10):1813-1827. doi: 10.1007/s40279-020-01319-3. PMID: 32661839; PMCID: PMC7497427.

Brown N, Knight CJ, Forrest Née Whyte LJ. Elite female athletes’ experiences and perceptions of the menstrual cycle on training and sport performance. Scand J Med Sci Sports. 2021 Jan;31(1):52-69. doi: 10.1111/sms.13818. Epub 2020 Sep 19. PMID: 32881097

Meignié A, Duclos M, Carling C, Orhant E, Provost P, Toussaint JF, Antero J. The Effects of Menstrual Cycle Phase on Elite Athlete Performance: A Critical and Systematic Review. Front Physiol. 2021 May 19;12:654585. doi: 10.3389/fphys.2021.654585. PMID: 34093223; PMCID: PMC8170151.

Wie siehts mit dem Einsatz der Pille aus? Man liest immer wieder, dass der Einsatz der oralen Kontrazeptiva nicht förderlich für Athletinnen wäre und die Leistungsfähigkeit herabsetze.
Hier ein Beispiel, dass man mit solchen Aussagen auch eher zurückhaltend umgehen sollte.

Elliott-Sale KJ, McNulty KL, Ansdell P, Goodall S, Hicks KM, Thomas K, Swinton PA, Dolan E. The Effects of Oral Contraceptives on Exercise Performance in Women: A Systematic Review and Meta-analysis. Sports Med. 2020 Oct;50(10):1785-1812. doi: 10.1007/s40279-020-01317-5. PMID: 32666247; PMCID: PMC7497464.

Losgelöst davon, denke ich, dass die Entscheidung einer Athletin, ob sie mit der Pille verhütet oder nicht, nicht vom Trainer getroffen werden sollte. In meinen Augen gehört das klar in Gynäkologenhände.

Ich denke, die dargestellte Auswahl zeigt, dass das Thema nicht so ganz einfach umsetzbar ist, wie es heute in den Sozialen Medien und in der Trivialliteratur immer wieder dargestellt wird. Die Wissenschaft, und das ist das wirklich Skandalöse dabei, steckt auch im Jahr 2022 immer noch in den Kinderschuhen. Es braucht offensichtlich noch Zeit und mehr Power, sprich Forschungsgelder, um dieses so wichtige Thema weiter nach vorne zu bringen. Am Ende bleibt die Frage offen, ob Studien hierzu am Ende zu einer pauschalen Empfehlung führen können, denn die Problematik scheint wirklich höchstindividuell zu sein. Bis es weitere Empfehlungen in diese Richtung gibt, bleibe ich bei meiner bisher angewandten Strategie und bringe die zwei wichtigsten Tools im Werkzeugkoffer eines Coaches zum Einsatz: Ohr und Zunge
Die Kommunikation und das Gestalten des Trainings miteinander funktioniert meiner Meinung nach besser als das einfache Einteilen des Zyklus in bestimmte Phasen, die dann auch nur mit bestimmten Trainingsinhalten bestückt sein dürfen.

2022- Ziele statt Zahlen. Ein Plädoyer für die Kontinuität im Training

Pünktlich mit dem Jahresbeginn häufen sich die mails mit neu definierten Zielen, Änderungen und Wünschen für die bevorstehende Saison. Daher hier mal ein paar Gedanken meinerseits zu dem Thema.

Wie bereits unendlich oft gepredigt, ist das entscheidende Kriterium hinsichtlich der Leistungsentwicklung ganz klar in der Kontinuität im Training. Je regelmäßiger man das Training bewältigt und adäquat verarbeitet, also regeneriert bekommt, desto eher kann man sich mit einer soliden und stabilen Leistungsfähigkeit belohnen.

Doch wenn es jetzt nur nach dem Prinzip consistency is key laufen würde, könnten alle Athlet:innen auch Rennen gewinnen und erfolgreich sein. Doch genau da liegt der Hase im Pfeffer, denn konsistent zu sein, ist eben nicht ganz einfach und braucht einige Punkte in der Umsetzung, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

Eine realistisch formulierte Zielsetzung, für die man auch das notwendige Commitment aufbringen kann. So lassen sich beispielsweise sub9-Finishes nicht eben mit 1-2 Schwimmeinheiten pro Woche und Auslassen der Athletik-und Mobilityeinheiten erzielen. Manche Einheiten machen keinen Spaß, erfüllen aber einen Zweck. Wer nicht bereit ist, seine Komfortzone zu verlassen, sollte seine selbst gesteckten Ziele abermals überdenken.
Es braucht ein realistisches Zeitbudget, dass man sicher abbilden kann, ohne dabei seine Beziehung/Ehe, seinen Job und Freunde zu vernachlässigen oder zu gefährden.
Triathlet:in zu sein, ist eine 24/7-Aufgabe. Um diese Aufgabe optimal zu erfüllen, braucht es eine gesunde Umgebung mit Menschen, die auf diesem Weg unterstützen. Es braucht eine Umgebung, in der sich die Athlet:in wohl fühlt, in der Faktoren wie Arbeitsbelastung, Familie, Ernährung, Schlaf und Training in Balance sind. Ideal wäre ein Zustand, wie man ihn aus dem Trainingslager kennt, eine Zeit mit vollem Fokus auf Sport ohne externe Stressoren. Da dies nicht immer abbildbar ist, ist selbsterklärend, doch eine Optimierung in diesen Lebensbereichen kann und sollte man dennoch anstreben.
Der beste Trainingsplan auf diesem Planeten bringt nichts, wenn die Regeneration nicht ausreichend gewährleistet ist. Dazu braucht es eine präzise Intensitätskontrolle und eine große Disziplin, um nichts in das leider zu oft anzutreffende Verhaltensmusters des viel zu schnellen Trainingstempo zu verfallen. Gerade im Grundlagenbereich wird leider zu oft viel zu schnell trainiert. Außer einer kumulierten Belastung und vergrößertem Verletzungsrisiko passiert bzgl. der Leistungsentwicklung eher weniger. Das Phänomen des sog. Schnittlauchs, also von Athlet:innen, die immer einen bestimmten Schnitt am Ende des Trainings auf der Uhr haben müssen, ist leider sehr weit verbreitet. Um sicherzustellen, dass ein möglichst hoher IST-Wert des geplanten Trainings sicher und gesund erzielt wird, sprich die consistency zu erzielen, macht es durchaus Sinn, im GA 1 langsamer zu trainieren. Verletzungen und Krankheiten bedeuten Trainingsausfall und gefährden dieses gleichmäßige Training über das ganze Jahr hinweg. Aus empirischer Sicht kann ich sagen, dass bestimmt 80-85% der zu schnell trainierenden Schnittlauche leider nie ihre selbst gesteckten Ziele erreichen werden.

Ziele sind wichtig und helfen, die Dinge richtig einzuordnen. Bitte überdenkt alle, ob das Erreichen bestimmter Kennzahlen im Training ( Schnitt, Watt etc.) immer so notwendig ist oder ob es nicht wichtiger ist, am nachhaltigen, gesunden und zielführenden Trainingsprozess festzuhalten.

Train smart, sometimes (!!!!) hard
Mario

Saisonstatistik/ Ironman® TriClub Wertung

Das Jahr 2021 neigt sich dem Ende zu, Silvesterläufe finden corona-bedingt leider nicht statt, so dass ich auch jetzt schon “Kassensturz” machen und das zurückliegende Jahr Revue passieren lassen kann. 2021 war mit einer stark komprimierten Wettkampfperiode eigentlich erst richtig ab Juli in Schwung kommend, sehr erfolgreich. Ich habe die einzelnen Wettkampfergebnisse nach unterschiedlichen Kriterien zusammengefasst. Darüber hinaus hab ich einen Blick auf das diesjährige Ironman@ TriClub Ranking geworfen. Nach 3 Weltmeistertiteln ist dieses Jahr in der Division III (75 bis 125 Athleten) ein starker Bronze-Rang rausgesprungen. Wenn man die vorherrschenden Reiserestriktionen und die gegenüber der amerikanischen Teams deutlich geringere Anzahl an zu “racenden” Rennen im Kontext sieht, relativiert sich dieser 3.Platz nochmals deutlich. Generell ist ein starker Rückgang der Anzahl der Rennen in 2020 und 2021 sichtbar, Covid19 ist hier ein deutlicher Schlag ins Kontor.

Ironman@ TriClub Ranking

Das TEAM sisu-training konnte in 2021 als bestes europäisches Team über alle 5 Divisionen hinweg einen sehr starken 17.Gesamtrang erzielen, die Division III wurde als 3. beendet und dabei gleichzeitig die Führung im “deutschen Ranking” wie seit 2016 durchweg auch behauptet.

Global

Division III

“Deutsches Ranking”

Wie in den Jahren zuvor auch, habe ich die mir die Teams auf dem Podium aus allen 5 Ligen angeschaut, um Informationen bzgl. der durchschnittlichen Punktzahl pro eingebrachtes Rennen zu erhalten. Das Globale Ranking ist per se nur an quantitatives Ranking ohne Bezugnahme der Leistung der einzelnen Athleten. Wenn man sich die Mühe macht und die avg.-Punkte ausrechnet, sieht man, welche Qualität wir dieses Jahr erneut gezeigt haben.

Viele Zahlen, viele bunte Farben, noch mehr glückliche Momente in diesem Jahr. Danke an jeden einzelnen Athleten für den Vertrauensvorschuss und die Möglichkeit, diesen wunderbaren Job ausüben zu dürfen.
Alles Gute für 2022, bleibt gesund!
Mario

“Triathlon-Erfolg auf der Langdistanz”

Voller Freude (und auch ein wenig Stolz) darf ich die Veröffentlichung meines Buches “Triathlon- Erfolg auf der Langdistanz” heute verkünden.
Knapp 2 Jahre Arbeit von Beginn des Projekts bis zur Veröffentlichung hat es gebraucht, ca. 1700 Stunden Arbeit in Form von Recherchieren, Gliedern, Schreiben, Skizzieren sind in Summe zusammengekommen.
Großer Dank gebührt dem Meyer& Meyer-Verlag für den Vertrauensvorschuss, Dennis Sandig (WIKO der DTU) für ein offenes Ohr, Dustin Nicolai für die Erstellung der Illustrationen und Claudia Klasing Pandolfi ( The lime drop ) für die graphische Umsetzung meiner skizzierten Infographiken und der Covergestaltung, die dem Buch einen besonderen Look gegeben haben.

Hier einige Bilder zur Entwicklung des Ganzen von Gliederung bis hin zur Fertigstellung










Hier eine Vorschau:
Blick ins Buch

Erhältlich im Buchhandel um die Ecke oder Online
Link zu Amazon

Triathlon im Jahr 2021- irgendwas ist anders

Mit großer Aufmerksamkeit verfolge ich die Ergebnisse dieses Jahres. Mein Fokus liegt auf der Langdistanz, zum einen in der Nachbetrachtung der Ergebnislisten, aber auch durch Beobachtung am Streckenrand. Dabei ergeben sich für mich, auch jetzt schon vor Ende der Saison 2021, einige interessante Muster, die ich gesehen habe und dich ich mir abzuleiten versuche.

Streckenlängen:

Bei durchschnittlich 90 gecoachten Langdistanzrennen pro Jahr und im Abgleich mit den öffentlichen Strava-Files sehe ich doch eine größere Menge an Wettkampfdaten. Dabei kann man beobachten, dass es z.T. Abweichungen über die, wie ich finde, normale Toleranz hinaus gibt. Was die genauen Hintergründe für oft zu kurze Strecken sind, bleibt mir verborgen. Gerade beim Laufen sollte es in meinen Augen möglich sein, eine möglichst genaue Strecke bauen zu können. Vermutlich möchten die Veranstalter schnelle Zeiten gewährleisten, wobei in meinen Augen Bestzeiten im Triathlon eh eher eine untergeordnete Rolle spielen sollten, da es nur sehr bedingt eine Vergleichbarkeit von Strecke zu Strecke bzw. bei unterschiedlichen Witterungsbedingungen geben kann.

Anzahl der Wettkämpfe 70.3 und Langdistanz

Mit etwas Staunen sieht man gehäufter, dass Athleten eine größere Anzahl an Rennen über die o.g. Wettkampfdistanzen absolvieren. Im Profibereich fallen mir da spontan Athleten wie Lionel Sanders, David Plese oder Laura Philipp ein, die eine große Anzahl an Rennen in kurzer zeitlicher Abfolge und veritablen Resultaten bestreiten. Zum einen ist die 21er-Saison coronabedingt deutlich komprimiert und es gibt immer noch Reisebeschränkungen, die eine gewohnte Wettkampfplanung etwas konterkarieren. Zum anderen scheinen die neueren Schuhmodelle eine schnellere orthopädische Regeneration zu gewährleisten, doch darauf komme ich später nochmals zu sprechen. Für mich schwerer nachvollziehbar bleibt die Tatsache, wie solche Athleten es motivatonal auf die Reihe bekommen, in solch kurzen Zeiträumen wieder genügend Fokus und die Bereitschaft, „sich in die Fresse zu hauen“ finden können. Ob sich solch kurze Regenerationszeiten zwischen den Wettkämpfen doch negativ auswirken, Verletzungen oder mentalen Burn out fördern und am Ende karriereverkürzend sind (insbesondere bei bestehender Verletzungsanfälligkeit), wird wohl die Zukunft zeigen.

Schwimmen:

Als Profi-Athlet hatte man in den diversen Lockdowns keine bzw. kaum Einschränkungen hinsichtlich der Schwimmbadnutzung zu beklagen, so dass sich in meinen Augen keine Unterschiede zu vorherigen Jahren manifestiert hat. Allerdings beobachte ich immer mehr, wie wichtig das Schwimmen in Bezug auf Renngestaltung und Gesamtergebnis wird. Mittlerweile gibt es kaum noch Möglichkeiten, als Über-Biker dem Rennen einen Stempel aufzudrücken, wenn man nach dem Schwimmen bereits abgehängt ist. Kameramotorräder und Fahren in der Gruppe (mit hoffentlich regelkonformen Abständen) erschweren eine solche Aufholjagd. In den Altersklassen sehe ich pandemiegeschuldet einen leichten Rückgang in den Schwimmzeiten. Sportler, die von Haus aus schlechtere Schwimmer sind, leiden dabei offenbar mehr unter den Monaten ohne Schwimmtraining, während gute Schwimmer den Rückstand aus dem Winter leichter wettmachen konnten. Fehlende Schwimmkilometer resultieren oft in einem Rückgang in der Ökonomie, so dass zum Temporückgang gleichzeitig ein erhöhter Energieverbrauch zu erwarten ist. Interessanterweise habe ich diese Saison mehrfach gelesen, dass Sportler in der ersten Stunde auf dem Rad subjektiv deutlich mehr Energie von außen nachführen mussten als in den Jahren zuvor. Das könnte u.U. ein Indiz für einen erhöhten Energieverbrauch beim Schwimmen sein.

Rad:

Die Zeit der Monster-Biker scheint tendenziell eher vorbei zu sein. Wie oben bereits erwähnt, ist das Schwimmen immens wichtig geworden. Aber auch der Vorteil einer möglichst aerodynamischen Sitzposition und dem Tuning des Materials ist nicht mehr wirklich gegeben. Man sieht, dass sehr viele Athleten unter den Profis, aber auch Age Groupern ihre Hausaufgaben in diese Richtung mit Bravour gemacht haben und die wettkampffreie Zeit offensichtlich zum Tüfteln am Material genutzt zu haben scheinen. Im Gegensatz zu den Vorjahren findet man immer weniger Athleten, die wie der berühmte Affe auf dem Schleifstein sitzen. Die Rad-Splits sind in meiner Wahrnehmung bei den Altersklassensportlern in Relation zu den Profis schneller geworden. Ein Grund hierfür könnte neben dem Optimieren des Materials die Tatsache sein, dass wegen der Schwimmbadschließungen und dem Arbeiten im Homeoffice deutlich mehr Kilometer auf dem Rad absolviert wurden. Gerade in 2020 mit der Aussicht auf keine Wettkämpfe haben viele Athleten an der Entwicklung der Grundlagenausdauer gearbeitet, was sich durchaus in 2021 ausgezahlt haben könnte.

Lauf:

Den für mich größten Leistungssprung sieht man in der 3. Disziplin, also im Laufen. 2h35 ist das neue 2h42 bei den Männern, bei den weiblichen Athletinnen entspricht eine 2h4 einer 2h52 aus den Vorjahren. Selbst sub 2h50 im Altersklassenbereich sind mittlerweile immer wieder zu sehen. Die Anzahl derer, die unter 3h00 laufen nimmt stetig zu. Ich vermute zum einen, dass das mit einem besser entwickelten Radfahren bei gleichzeitig geringerem Kohlenhydratverbrauch und „Schützen“ der Glykogenreserven zu erklären sein könnte. Ein absoluter Game Changer stellen jedoch die Carbon-Laufschuhe dar. Ich würde ins Blaue hinein die zeitlichen Leistungsgewinne bei den Profis mit 3-5 min beziffern, im Altersklassenbereich evtl. eher bei 7-10 min. Mittlerweile gibt es zu den diversen Schuhmodellen schon zig Tests (u.a. von der Triathlon Crew Cologne) , die das Einsparen bzgl. Sauerstoffverbrauch nachgewiesen haben. Jedoch wurden alle Test in frischem Zustand absolviert. Ich vermute, dass der Katapulteffekt der Schuhe noch deutlicher zum Vorschein kommt, wenn der Unterschenkel schon „Brei“ ist, man also entsprechend vorermüdet nach 180km vom Rad steigt. Mir wird immer mehr rückgemeldet, dass sich die Beine nach dem Wettkampf frischer mit Carbon-Schuhen als herkömmlichen Schuhen anfühlen.

(Foto: nike.com)

Wettkampfberichte in den Sozialen Medien:

Der am meist gelesene Satz in den Sozialen Medien in 2021, wenn ein Rennen nicht den Erwartungen entsprochen hat, ist: „Ich habe meine Eigenverpflegung/Nutrition unterwegs verloren“. Ich wundere mich, wie vielen Sportlern das immer wieder passiert und frage mich, ob sie sich nicht ausreichend vorbereitet oder nachgedacht haben. Für mich gehört klar zur Vorbereitung dazu, dass ich mich mit den von Veranstalterseite ausgegebenen Gels, Getränke etc. auseinandergesetzt, mir diese besorgt und im Training auf Verträglichkeit getestet habe, um im Falle des Verlusts auf eben genau diese Produkte von außen zurückgreifen kann. Unverständlich bleibt, warum die Eigenverpflegung nicht so verstaut wird, dass sie eben nicht abhanden kommt. Die meisten TT-Räder verfügen über integrierte Trinksysteme, wieso packt man dann seine Nutrition in die Flasche im Rahmendreieck oder hinter den Sattel?

Ironman TriClub Global Ranking:
Die Einreisebeschränkungen in/aus einigen Ländern führen nicht wirklich zu einer globalen Chancengleichheit. Das Ranking zeigt leider recht deutlich, dass Clubs außerhalb der USA eher chancenlos sind, denn 2021 fanden und finden in den USA signifikant mehr Rennen als in Europa statt. Eine 70.3- Weltmeisterschaft für Age Grouper war in 2021 eigentlich eher utopisch in der Durchführung. Teilnehmen konnten nur Athleten, die sich 2 Wochen vor Einreise in einem Land außerhalb des Schengenraums aufgehalten haben. Bleibt die Frage, was der WM-Titel in den Altersklassen dann wirklich wert ist, wenn die Restriktionen nicht für jeden Sportler überwindbar sind.

Fazit:

Corona ist und bleibt ein Blödmann. Aber jede Krise hat ja bekanntlich einen Gewinner und das scheinen die Athleten zu sein, die konsequent an den diversen Baustellen in der wettkampffreien Zeit gearbeitet haben.

Alles getan, am Ende doch nicht dafür belohnt worden.

Ich verneige mich in großem Respekt vor Samuel Hürzelers Leistung und seiner Einstellung zum Sport. Der Ironman Thun war als großes Highlight des Jahres gedacht, wir haben im Vorfeld in Sachen Training alle Register gezogen, Heat adaptation, Aerotest, Höhentraining usw. in unsere Planungen bedacht. Ich habe in 17 Jahren als Coach selten einen Sportler mit solch bedingungslosem Einsatz und wirklich hochprofessioneller Einstellung zu seinem Beruf als Profi-Athlet erleben können. Nach dem 9. Platz beim Ironman Tulsa und dem 7. Sieg beim Inferno Triathlon haben wir im Training an allen Stellschrauben gedreht, um mit einer weiteren Top-Leistung beim Ironman Switzerland, quasi in Sämis Wohnzimmer, aufzuwarten.

(photo credit: Janosch Abel)

Das Schwimmen war leider mit 3000m doch deutlich zu kurz, es hat sich aber dennoch recht schnell eine Spitzengruppe gebildet, in der Sämi als 2. aus dem Thuner See gestiegen ist. In dieser Konstellation ging es zum Radfahren. Wir haben vorab mehrere Taktikmöglichkeiten für das Rennen durchgesprochen. Relativ früh im Rennen konnte er erste Akzente und Attacken setzen, seine Ortskenntnis ausspielen und das Rennen anführen. Bis dahin lief alles genau nach Plan.


(photo credit: Janosch Abel)

Doch dann wurde all das durch ein Mechanical am Rad zerstört. Die Bremse am Hinterrad hat sich, warum auch immer verbogen, so dass die Hydraulikleitung seiner Bremse samt Bremse an der Scheibe geschliffen hat.

Er konnte diesen Schaden nicht beheben, ein neutraler Materialwagen war entgegengesetzt zur Ankündigung im Pro-Race-Meeting nicht aufzufinden. Also hat Sämi kurzerhand entschlossen, das Rennen dennoch irgendwie weiter durchzuziehen. Die Spitzengruppe hatte er bereits verloren, die nachfolgende Gruppe war noch lang nicht in Sicht, so dass er irgendwo dazwischen alleine auf weiter Flur und mit schleifender Bremse die 180km mit >2000hm immer noch in 4:33, aber mit 15min Rückstand auf die Führenden beendete. Als Coach hab ich kurzfristig darüber nachgedacht, ihm ein DNF nahezulegen, um Körner für ein weiteres potenzielles Langdistanzrennen in 2021 zu sparen. Ich hab den Gedanken aber relativ schnell wieder verworfen, da ihm dieses Rennen wirklich sehr viel bedeutet und gerade auch, weil die Laufform sehr stark im Vorfeld gewesen ist. Seine gesamte Support-Crew war der gleichen Meinung, also haben wir ihn richtig angepeitscht, um mit einem schnellen Marathon noch Plätze gut zu machen. Der Plan ging auf, mit einer brachialen Gewaltleistung gemäß dem Prinzip „whatever it takes“ hat er sich Platz um Platz nach vorne gearbeitet und wurde mit neuer persönlicher Marathon-Bestzeit (2:47) und Platz 7 belohnt.

(photo credit: Janosch Abel)

Ich bewundere ihn wirklich sehr für seinen unerschütterlichen Willen, seine Einstellung zum Sport („it’s all about racing“) und seine enorme Leidensfähigkeit.
Die Leistung war grandios, eine Podiumsplatzierung wäre an einem „normalen“ Tag in Reichweite bzw. sehr realistisch gewesen, wobei Jan van Berkel und Joe Skipper läuferisch an diesem Tag in ihrer eigenen Liga unterwegs gewesen sind.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass die Leistung wirklich gepasst hat, auch wenn die Ergebnisliste das nicht wirklich widerspiegeln kann.

True sportsmanship hat der verdiente Sieger Jan van Berkel gezeigt, wie man hier sehen kann.

(Quelle: Instagram)

sisu bedeutet in der wörtlichen Übersetzung Beharrlichkeit in ausweglosen Situationen. Wenn ein Sportler das am Sonntag verkörpert hat und wirklich die “best version of you” gewesen ist, dann Sämi!!

Danke, dass ich daran teilhaben durfte!

Das Wissen um die Wissenschaft

Man hört und liest immer wieder von wissenschaftlichen Ansätzen und Trainern mit wissenschaftlicher Arbeitsweise. Gerade in den letzten Jahren haben sich immer neuere Felder im Trainerwesen und neue Mess-Devices mit dem Versprechen der Leistungssteigerung im Sport etabliert. In diesem Zuge wird immer wieder erwähnt, dass sich all dies auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützt. Ich frage mich, ob wir alle von der gleichen Definition von Wissenschaft sprechen. Um alle Leser dieser Zeilen auf den gleichen Wissensstand zu bringen, möchte ich hier eine Definition zum Besten geben:

„Wissenschaft ist das Streben und die Anwendung von Wissen und Verständnis der natürlichen und sozialen Welt nach einer systematischen, auf Beweisen basierenden Methodik“.

Nach Lesen dieser Definition möchte ich Trainer, die mit einer wissenschaftlich orientierten Arbeitsweise hausieren gehen, hinter dem viel zitierten Ofen hervorlocken und zum Nachdenken mit folgenden Fragen anregen:

– ist deine Coaching-Philosophie wirklich wissenschaftlich begründet?
– was ist das Wissenschaftliche an deiner Arbeitsweise?
– aus welchen Quellen beziehst du deine wissenschaftlichen Kenntnisse?

Ich frage mich seit einigen Jahren, ob die Arbeitsweise eines Trainers wirklich wissenschaftlich begründet ist oder ob das Ganze nicht eher auf angewandter empirischer Beobachtung nach dem Trial & Error- Prinzip basiert. Die Handschrift eines Trainers entwickelt sich in meinen Augen unterschwellig mit dem im Traineralltag Gesehenen, Gehörten und Erlebten. Auf die Frage, nach welchen Prinzipien und Methoden gearbeitet wird, fällt es doch vielen meiner Trainerkollegen schwer, diese in Worte zu fassen. Zudem ist unser Gehirn voll von kognitiven Fehlleitungen und Denkmustern, die uns in unserer Entscheidungsfindung beeinflussen. So wundert es nicht, dass wir uns ganz nach dem Belohnungsprinzip eher auf die Suche nach Informationen begeben, die unsere bereits bestehenden Ansätze weiterhin untermauern, denn dadurch fühlt man sich weiterhin in seinem Handeln bestätigt. Doch ist das am Ende objektiv und wirklich wissenschaftlich? Wissenschaftlich fundiertes Wissen wird durch objektive und systematische Messungen und Daten und weniger auf Meinungen und Gefühle ermittelt. Dazu braucht es Experimente, eine kritische Auseinandersetzung und die Expertise von Fachleuten im jeweiligen Bereich. Machen all diese objektiven Maßnahmen die wissenschaftlich basierte Arbeit als Trainer denn wirklich besser? Die Antwort lautet, wie so oft im Sport: Kommt drauf an.

Hierzu sollte man immer wieder hinterfragen, wie es um die Qualität der wissenschaftlichen Evidenz bestellt ist. Teilweise werden Studien mit zu geringer Probandenzahl, Nicht-Sportlern, primär Männern etc. veröffentlicht, so dass man deren Aussagekraft in Frage stellen darf. Ein weiterer wichtiger Punkt an der Stelle ist die Fähigkeit, solche Paper richtig zu lesen, zu verstehen, diese zu interpretieren und am Ende auch noch in die Sportpraxis zu übertragen. Apropos Sportpraxis. Die meisten Studien und Versuche finden in kontrollierten Bedingungen oder im Labor statt und sind dabei meist reduziert auf einen zu untersuchenden Aspekt. Der Transfer dieser Ergebnisse in den viel komplexeren und unsteteren Alltag eines Sportlers ist nicht wirklich 1:1 gewährleistet. Das Leben mit all seinen Facetten erschwert die Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse in reale Bedingungen signifikant.

Eine wissenschaftliche Terminologie zu nutzen bedeutet im Umkehrschluss nicht automatisch, dass man Wissenschaft auch anwendet!Für mich ist das oftmals eher eine Form von Augenwischerei.

In meiner Coachingwelt geht es nicht um ein unreflektiertes Anwenden wissenschaftlicher Kenntnisse, sondern um das Verknüpfen von Wissen, Erfahrung, Empirie und Empathie. All das soll am Ende eine Verhaltensänderung beim Sportler auslösen, so dass dieser für sein eigenes Handeln die richtigen und zielführenden Entscheidungen fällt.

Wissenschaft ist somit in meinen Augen eher als objektiver Motor zu verstehen, der das subjektive Entscheidungsvehikel antreibt. Wir sollten unsere eigenen Überzeugungen, die wir durch Erfahrung in unserem Coaching oder durch unsere eigenen Augen aufgebaut haben, nicht als weniger objektiv abtun als die Wissenschaft. Aber wir müssen immer aufgeschlossen sein und auch alternative Ansätze und unterschiedliche Standpunkte berücksichtigen. Um dies tun zu können, müssen intellektuelle Argumente verwendet werden, die manchmal durch wissenschaftlich fundierte Methoden unterstützt werden. Es bedeutet auch, wissenschaftliche Beweise nicht für bare Münze zu nehmen. Vielmehr müssen wir wissen, wie und warum die Wissenschaft in der realen Welt funktioniert. Schlussendlich müssen wir Beweise haben, die unsere Überzeugungen stützen.

Ich würde mir wünschen, dass wir einen etwas weniger inflationären Umgang mit dem Begriff Wissenschaft im Kontext Sport pflegen könnten und weniger vorschnell die Ergebnisse einer Studie für in Stein gemeißelt betrachten. Trainer, die vermeintlich nicht nach wissenschaftlichen Kenntnissen arbeiten, gelten schnell als old school und Kollegen, die sich Wissenschaft auf die Visitenkarte schreiben, als new school und innovativ. Keiner aus beiden Lagern ist besser oder schlechter per se, ein Schubladendenken ist irgendwie fehl am Platz.

Der Einsatz des Core Body Temperature-Sensors

Das Thema Hitze ist nicht nur für alle Sportler mit Wettkampfziel Kona oder Tokyo von Relevanz. Dank des Klimawandels haben wir es auch im europäischen Sommer mit zum Teil extrem hohen Temperaturen zu tun. Wenn man jetzt noch die Tatsache auf dem Schirm hat, dass ein sehr großer Anteil der aufgewandten Energie zur Muskelarbeit in Form einer Hitzeentwicklung im Athletenkörper verpufft, erkennt man die Gefahren einer zu hohen Körperkerntemperatur. Auf der anderen Seite bietet ein Training zur Hitzeadaptationen eine effektive Möglichkeit der Leistungssteigerung, Blutplasmavolumen und Hitzeresistenz lassen sich dadurch wunderbar steigern. Manche Trainer (ich sehe das auch so) sehen in der heat adaptation ähnliches Potenzial wie beim Höhentraining. War es bisher nur möglich, die Temperatur im Nachgang nach dem Training oder Wettkampf mittels Fieberthermometer und zu schluckender Thermometerpille, die zudem ein sehr kostenintensives Einweginstrumentarium darstellt, so kann man vom CORE Body Temperature wirklich von einem Gamechanger sprechen. Erstmals ist es möglich, mittels eines Sensors, der am Brustgurt des HF-Messers befestigt wird, in Echtzeit, also live während der Belastung, im Display seines Wahoo, Garmin oder Apple Watch die aktuelle Körperkerntemperatur angezeigt zu bekommen. Da die Technologie noch recht neu ist, stehen wir bzgl. des Einsatzes des CORE Sensors auch erst noch am Anfang der Reise.

Es gibt mittlerweile schon sehr vielversprechende Konzepte und Ansätze zur Nutzung der „neuen“ Metrik Körperkerntemperatur im Sport. Ich habe in den letzten Wochen und Monaten in erster Linie auch nur gemessen und Daten gesammelt, um Muster, Tendenzen und Rückschlüsse daraus ziehen zu können, um diese dann in einem Trainingskonzept zur Hitzeadaptation zum Einsatz zu bringen. Ich beschäftige mich schon seit mehreren Jahren mit dem Thema Natrium und Hydration im Triathlon, habe mehrere Hundert Tests zur Bestimmung der individuellen Natriumverlustmenge im Schweiß durchgeführt. Das Messen der Körperkerntemperatur ist der Baustein, der mir die ganze Zeit gefehlt hat, um ein Konzept mit dem Titel „beat the heat“ zu erstellen.

Ich möchte an der Stelle die ersten 3 Testreihen vorstellen. Alle Probanden haben im Vorfeld der Tests ihre individuelle Threshold Temperature mittels eines Heat ramp up-Test bestimmt. Hierbei wird der Temperaturverlauf, die Herzfrequenz und die Leistung in Watt gemessen und ergibt dann einen Punkt, an dem die Körperkerntemperatur (KKT) kritisch zu werden scheint.

1. Testreihe
Der erste Test wurde ohne konkrete Vorgaben gemacht, es galt erstmal nur Daten zu sammeln. Hierzu fuhren 4 Probanden zu Hause auf einem Wahoo KICKR unterschiedliche Programme mit komplett unterschiedlichen Intensitäten. Es wurden keine Vorgaben bzgl. der Raumumgebungstemperatur oder der Einstellung des genutzten Wahoo HEADWIND Ventilators gemacht. Die subjektive Belastung wurde angelehnt an die Borg Skala mit 1-10, wobei 1 für leicht und 10 für maximal steht, eingeschätzt. Die Verlustmenge an Schweiß wurde über Messen des Körpergewichts ermittelt, die aufgenommene Flüssigkeitsmenge ebenfalls festgehalten.

Conclusion:
Es konnten keine eindeutigen Muster erkannt werden.

2. Testreihe
Beim zweiten Test wurden die Vorgaben schon etwas konkreter erstellt. Die Raumtemperatur wurde auf mind. 25 Grad Celsius (die Luftfeuchtigkeit wurde leider nicht gemessen) festgelegt, der ziemlich geniale Wahoo HEADWIND kam nicht mehr zum Einsatz, eine Flüssigkeitsaufnahme während des Tests wurde „verboten“. Die Probanden sollten je 2 Tests mit einer definierten Leistung in Watt (82, 84 und 86% der FTP) fahren. Die Vorbelastungen vor den Testtagen wurden weitestgehend standardisiert, die Tests fanden 1x pro Woche statt. Die ersten 5min jedes Test wurden mit 68-70% der FTP gefahren, danach dann direkt auf die geforderten Watt erhöht. Dabei wurde jeweils der erste Test ohne vorherige Aufnahme von Koffein, der zweite Test dann mit Koffein in Form eines Sponser Aktivator mit 200mg Koffein 45min vor Testbeginn unterstützt. Die RPE wurde differenzierter, aber dennoch von 1-10 erfasst. Die Sportler führten ein randomisiertes Sodium Loading in Form von 750mg Natrium auf 500ml in den letzten 120min vor Testbeginn durch. Die beiden weiblichen Sportlerinnen nutzen Kontrazeptiva, so dass die Einflüsse des Menstruationszyklus schätzungsweise weniger gravierend ausfallen dürften. Die Zeit bis Erreichen der individuellen Threshold Temperature wurde genau wie die Schweißverlustmenge festgehalten.

Conclusion:
Die Einnahme des Koffein-Boosters scheint das Erreichen der kritischen Temperatur zu einem früheren Zeitpunkt zu beeinflussen. Ein kurzfristiges Sodium Loading führt offensichtlich zu besserem Schwitzen, die Schwitzmenge ist tendenziell höher und die „Abbruchtemperatur“ wurde später erreicht. Interessant ist der Punkt, dass über den Zeitraum von 6 Wochen offensichtlich bereits schon eine Form der Hitzeanpassung stattgefunden hat, denn bei intensiverer (86% FTP) Belastung hat sich teilweise die Zeit bis zum Erreichen der Threshold Tempeature verlängert.

3. Testreihe
Beim 3. Durchlauf wurde wieder 1x pro Woche ein Test durchgeführt. Dabei wurde 14tägig die Intensität wie beim 2. Test ebenfalls erhöht, das Warm up bestand wie im zweiten Test ebenfalls aus 5min mit 68-70% der FTP. Die Raumtemperatur wurde noch enger auf 26,0-27,0 Grad Celsius eingegrenzt, das Nutzen eines Ventilators war nicht gestattet. Bei jeder „Belastungsstufe“ wurde im Wochenwechsel ein Test mit Sodium Loading, ein Test ohne entsprechende Natriumzufuhr im Vorfeld absolviert, auf Koffein wurde in den letzten vier Stunden vor Testbeginn verzichtet. Sweat Rate und RPE wurden wieder festgehalten. Der Fokus dieser Testreihe lag auf der Beobachtung der Herzfrequenz. Hierzu wurde in Ruhe unmittelbar vor Trainingsbeginn, nach 10 und 30min die entsprechende Herzfrequenz notiert. Mit Erreichen der 30min-Marke wurde der Test abrupt beendet und die Probanden mussten für 10 weitere Minuten auf einem Stuhl bei geicher Raumtemperatur möglichst ruhig zu sitzen. 10min nach Ende der Einheit wurde ebenfalls HF und Körperkerntemperatur gemessen. Während dieser 10min durfte wie während des gesamten 2. und 3. Tests keine Flüssigkeit von außen aufgenommen werden.

Conclusion:
Auch im 3. Test scheint sich darzustellen, dass eine große Dosis Natrium im Vorfeld positiven Einfluss auf Herzfrequenz und Anstieg der Körperkerntemperatur hat. Ein Gewöhnungseffekt an die Hitze zeichnet sich ebenfalls leicht ab, wobei es zur Hitzeanpassung eigentlich mehr als 1 Session pro Woche bzw. auch das Anwenden passiver Hitze in Form von Sauna oder Warmwassserimmersion bräuchte.

Fazit:
Wie eingangs erwähnt, steckt der praktikable Nutzen des COREs noch etwas in den Kinderschuhen. Die 3 Reihen zeigen aber schon eine erste Tendenz, welche Faktoren ( Intensität, Natrium, Raumtemperatur) Einfluß auf das Ansteigen der Körperkerntemperatur haben könnten. Eine weitere Testreihe mit konkreten Vorgaben zur Hitzeadaptation hat meinen bisherigen Kenntnisstand zu diesem Thema bestätigt, die Ergebnisse möchte ich an dieser Stelle nicht veröffentlichen, das bleibt vorerst noch Betriebsgeheimnis.
Happy sweating!

2020- eine etwas andere Saison

Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende zu. Zeit, diese sehr seltsame Saison aufzuarbeiten und “Kassensturz” zu machen, denn trotz der Lockdowns und Rennausfällen gab es am Ende doch noch 128 Wettkampfleistungen zu würdigen.

Wir starten mit den harten Fakten, einige Highlights möchte ich rausstellen.
1X Europameister Duathlon durch Jörg Stehle
1x Europacup-Podium durch Scott McClymont
1x Weltcup- Qualifikation durch Scott McClymont
2x 70.3-WM-Slots durch Harald Mechler und Jörg Stehle
1x Langdistanz-Gesamtsieg durch Astrid Werner
usw.

Learnings aus 2020:
– Ziele sind extrem wichtig, um die Motivation hochzuhalten. Wenn man jedoch den Prozess bzw. die Leistungsentwicklung als Ziel versteht, kann die Trainingsarbeit auch bei fehlenden Wettkämpfen Spaß machen und produktiv sein
– Sportler sind Menschen mit unterschiedlicher Herangehensweise in Krisensituationen
– ein Trainingsplan kann Halt, Sicherheit und Struktur in einer völlig unübersichtlichen und chaotischen Situation geben
– schriftliche Kommunikation unterliegt 1:1-Gesprächen ganz klar
– nicht jede Trainingschallenge, die in den Sozialen Medien kursiert, ist für jeden Sportler geeignet bzw. generell als sinnvoll einzustufen.
– eine “etwas längere Leine”, also eine bewusst freiere Gestaltung des Trainingsplans durch den Athleten kann funktionieren, ist aber nicht bei jedem anwendbar, denn ansonsten artet das schnell in suizidales Gemetzel aus.
– Zugseil- bzw. Vasa-Training kann die Muskulatur des Schwimmens halbwegs aufrecht halten. Als grober Mittelwert würde ich 8-9Wochen Trainingszeit zum Wiedererlangen des schwimmerischen Vor-Lockdown-Niveaus einordnen
– HRV-Werte spiegeln das hohe Stressmoment in den Monaten April und Mai wieder
– Schwimmtraining hat nicht nur den Effekt der Leistungssteigerung im Wasser, sondern (durch den hydrostatischen Druck) eine regenerative Wirkung auf die Beinmuskulatur
– eine ungünstige Arbeitsplatzergonomie im Homeoffice kann zu haltungsbedingten orthopädischen Problemen führen

Zahlen aus der Trainerarbeit 2020:
– erhaltene emails (Stand 28.12.) 56789
– Anzahl der Zoom-Meetings: 377

Für mich persönlich war 2020 sehr ereignisreich. So konnte ich das Manuskript zu meinem Buchprojekt mit fast 400 Seiten Umfang fertigstellen und im Frühjahr unser Haus komplett entkernen, so dass wir dieses am 19.12. noch vor dem Jahreswechsel beziehen konnten. Im Januar konnte ich die Ausbildung zur A-Lizenz Langdistanz der DTU abschliessen und habe mich in der zweiten Jahreshälfte intensiv mit dem Thema Hitzeadaptation beschäftigt. Weil das alles nicht genug ist, haben wir im Oktober/November noch die Plattform von Xhale hin zu Today’s Plan gewechselt. Danke an Dennis März un Cameron Good für euren Support!
Ein weiteres persönliches Highlight stellen die Aufnahmen für den Coaches Corner-Podcast für Pushing Limits dar. Generell ist es sehr beeindruckend, wie man sich unter den Coaches in Deutschland austauscht, sich auch in der aktuellen Zeit unterstützt und gegenseitig hilft. Gerade in der Zeit des Social Distancing ist dieses Zusammenrücken eine wahre Wohltat.

Fazit:
Das Corona-Jahr 2020 stellt für alle Menschen eine immense Stressbelastung dar. Rennabsagen oder auch das mehrfache Verschieben der Renntermine sind für beide Seiten, also für Athlet und Trainer, problematisch, da die Planungsgrundlage komplett wegfällt und man gedanklich in eine Hab-Acht-Stellung zurückgehen muss. Wer es jedoch schafft, in solch einer Krisensituation auf die jeweiligen Herausforderungen zu reagieren und zu adaptieren und sich nicht vom eigentlichen Prozess der langfristigen Leistungsentwicklung abbringen lässt, wird solche Phasen mit Bravour meistern. Wer als Athlet seine Schwächen erkennt und die aktuelle Periode nutzt, um an seinen Defiziten zu arbeiten, wird gestärkt daraus hervorgehen. Reagieren und adaptieren haben seit je her das Überleben der Menschheit gesichert und genau so werden wir auch diese Krise, sowohl im Globalen als auch im Mikrokosmos Sport, meistern. Ich wünsche euch allen alles Gute für das kommende Jahr mit all den Herausforderungen, die es anzugehen gilt. Bleibt gesund!