5. July 2019 Mario Schmidt-Wendling

Resümee Ironman Frankfurt 2019

Mein Resümee zum Ironman Frankfurt 2019

Ich denke, dass ich hier keine weiteren Worte zum Wetter bzw. den Bedingungen beim Ironman 2019 verlieren muss, da wurde bereits hinreichend berichtet.

Schwierig finde ich jedoch die Berichterstattung zum DNF von Sarah True. Wir Triathleten werden wieder als suizidale Freaks dargestellt. Wenn ich seh, dass das Hessische Fernsehen sich regelrecht daran weidet, wenn Age-Gouper nach Überqueren der Finishline auf der Bahre in den Athlete’s garden gebracht werden, hat das schon fast was von Gaffen und Sensationsgeilheit . Ich hab einen Kameramann konkret darauf angesprochen, ob das denn sein müsste. Seine Antwort ganz lapidar: „ Halt die Fresse“ 

Soviel dazu.

Das Rennen war natürlich deutlich langsamer und die DNF-Quote laut Coach Cox https://www.coachcox.co.uk/2019/07/03/ironman-frankfurt-2019-age-group-results-and-kona-qualification/?fbclid=IwAR0vnMET7jmeLK_YaMSYDSVWMURWQffLgdsldxa92oA9sIGup0CokgSkyI0 

lag bei 26%. Beides spricht eine eigene Sprache.

Allerdings waren die Bedingungen durchaus machbar, wenn man einige Dinge entsprechend angepasst hat. Dazu zählten:

  • angepasstes Pacing mit deutlich abgeschwächter Erwartungshaltung in Sachen Zeit
  • angepasste Natriumaufnahme durch erhöhte Schweißflussrate
  • etwas reduzierte Kohlenhydratmenge 
  • konsequentes Kühlen

Ich denke, dass ein Verkürzen des Wettkampfs, wie in Nizza durchgeführt, nicht nötig gewesen wäre. Der Veranstalter hat für ausreichend Eis, Wasser und Salz gesorgt und vorab Hinweise und Tips zur Hitzebekämpfung verschickt. Allerdings sollte überdacht werden, ob eine Wettkampfbesprechung unter freiem Himmel im Zielbereich bei mind. 30 Grad sinnvoll ist

Swim:

Nach Durchsicht der übermittelten Garmin-Files würde ich sagen, dass das Schwimmen mind. 3950m gehabt haben muss, keiner der von mir betreuten Athleten hatte weniger Distanz auf der Uhr. Einige Athleten haben sich offensichtlich blind auf die Orientierungskünste der Vorderleute verlassen. Als Außenstehender konnte man sehen, wie einige Athleten wie die Lemminge zickzack hinterhergeschwommen sind. Über das Gejammere bzgl. Neo-Verbot im Vorfeld möchte ich mich ungern auslassen, außer, dass man mit Anmeldung des Rennens 1 Jahr im Voraus durchaus seine Hausaufgaben machen sollte und sich somit die notwendigen Skills draufzuschaffen, um die Distanz auch ohne Neopren zu bewältigen!!

 

 

66111009_2102814123162353_8160120034820096_o

Bike:

Die aufkommende Hitze zeigt sich deutlich im Vergleich der ersten zur 2. Runde. Der zusätzlich föhnartige Wind in der zweiten Hälfte des Rennens ist deutlich sichtbar in allen Files. Teilweise liegen die Wattwerte hitzebedingt in Runde zwei 25% unter den Werten aus Runde 1 und das obwohl ich auf konservativeres Pacing explizit hingewiesen habe.

Auffällig, wie jedes Jahr, sind die teilweise hahnebüchenen Sitzpositionen so mancher Athleten, die man mit bloßem Auge und ohne aufwändige Messtechnik erkennen kann. Da liegt unglaublich viel Potential brach und ich hoffe wirklich, dass diese Positionen nicht von professionellen Bikefittern „verbrochen“ wurden.

Run:

Das Laufen hatte am vergangenen Sonntag weniger Wettkampfcharacter, sondern entsprach eher dem Kampf gegen die Bedingungen. Die Athleten, die am ehesten gegen die Temperaturen angekämpft haben und „dagegenhalten“ konnten, waren erfolgreich. Die absolute Geschwindigkeit war komplett sekundär einzustufen.

„Sterbezeit“

Die zeitliche Differenz zwischen meinen Pacing-Berechnungen für „normale“ Temperaturen und den nun gezeigten Zeiten liegt:

Bildschirmfoto 2019-07-05 um 16.09.26

Es zeigt relativ deutlich, dass von Haus aus schnellere Athleten offensichtlich eher mit den Bedingungen zurechtkommen als langsamere Age-Grouper. 

„Meine“ DNF-Quote lag bei ca 15%, also unter der allgemeinen Quote derer, die das Rennen vorzeitig beenden musste. Es macht mich stolz, wenn ich seh, dass die o.g. Maßnahmen behelligt wurden und die Athleten sich nicht von ihrem Ziel, wenn auch deutlich langsamer, abbringen ließen. Es ist aber wirklich keine Schande, das Rennen am Sonntag nicht beendet zu haben, die Gesundheit geht vor. Wer unterwegs Probleme hatte oder Bedenken hatte und ausgestiegen ist, verdient für diese Entscheidung genauso Respekt wie alle Finisher. 

Mund abputzen, Krone richten, weitermachen!

Mario