Am vergangenen Freitag stand unser Test-Event mit ExoAnalytics auf dem Programm. Hier einige Impressionen und Hintergrundinformationen, für was dieser Test eigentlich dienlich ist. Neben den gewonnen Erkenntnissen hatte wir jede Menge Spass. Denke, das kommt auf den Bildern auch rüber.
¹³C-Tracerdiagnostik: Wie man wirklich erkennt, ob Kohlenhydrate im Rennen ankommen
In der Sporternährung wird häufig darüber diskutiert, wie viele Kohlenhydrate Athleten pro Stunde aufnehmen sollten. Deutlich seltener wird jedoch die entscheidende Frage gestellt: Wie viel davon kann der Körper tatsächlich nutzen?
Genau hier kommt die ¹³C-Tracerdiagnostik ins Spiel. Sie gilt momentan als präziseste wissenschaftliche Methode, um nachzuvollziehen, welcher Anteil der aufgenommenen Kohlenhydrate während einer Belastung tatsächlich oxidiert — also zur Energiegewinnung verwendet — wird.
Der große Vorteil dieser Methode liegt darin, dass sie zwischen zwei Energiequellen unterscheiden kann:
* Kohlenhydraten aus der aktuellen Nahrungsaufnahme
* körpereigenen Reserven wie Muskel- und Leberglykogen
Mit klassischen Verfahren ist diese Trennung nicht möglich. Eine herkömmliche Atemgasanalyse zeigt lediglich, wie viele Kohlenhydrate insgesamt verbrannt werden. Sie beantwortet jedoch nicht die Frage, ob diese Energie aus dem Gel in der Trinkflasche stammt oder aus den internen Speichern des Körpers.
Warum CGMs dafür nicht ausreichen
Immer wieder entsteht der Eindruck, moderne Glukosesensoren (z.B. Supersapiens) könnten diese Prozesse ebenfalls sichtbar machen. Das stimmt allerdings nicht.
Ein CGM misst lediglich Veränderungen der Glukosekonzentration im Gewebe zwischen den Zellen. Daraus lässt sich zwar ableiten, wie sich der Blutzucker entwickelt, aber nicht, ob die aufgenommenen Kohlenhydrate tatsächlich:
* den Darm passiert haben
* absorbiert wurden
* in der Muskulatur angekommen sind
* und dort letztlich oxidiert wurden
Zwischen „im Blut vorhanden“ und „energetisch genutzt“ liegt physiologisch ein großer Unterschied.
Um diesen Weg exakt nachvollziehen zu können, benötigt man markierte Kohlenhydrate — beispielsweise mit dem stabilen Kohlenstoffisotop ¹³C.
Was bedeutet exogene Kohlenhydratoxidation überhaupt?
Der Begriff beschreibt die Fähigkeit des Körpers, während einer Belastung zugeführte Kohlenhydrate als Energiequelle einzusetzen. Gemeint sind dabei Sportgetränke, Gels, Riegel oder andere Fueling-Strategien während Training und Wettkampf.
Bis aus einem Schluck Sportdrink tatsächlich nutzbare Energie für die arbeitende Muskulatur wird, muss jedoch eine ganze Kette an Prozessen funktionieren:
Magenentleerung
Transport durch den Darm
Aufnahme über die Darmwand
Weiterleitung über den Blutkreislauf
teilweise Verarbeitung in der Leber
Aufnahme in die Muskelzelle
anschließende Oxidation in den Mitochondrien
Jeder dieser Schritte kann zum limitierenden Faktor werden.
Das erklärt auch, warum manche Athleten problemlos sehr hohe Kohlenhydratmengen tolerieren und nutzen können, während andere bereits bei deutlich geringeren Mengen Magen-Darm-Probleme entwickeln.
Mehr Kohlenhydrate bedeuten nicht automatisch mehr Leistung
Die moderne Sporternährung hat sich in den letzten Jahren massiv verändert. Während Kohlenhydrate früher teilweise fast als problematisch angesehen wurden, setzen viele Athleten heute bewusst auf hohe Zufuhrmengen von 80, 90 oder sogar über 100 Gramm pro Stunde.
Das Problem: Die Aufnahmeempfehlungen orientieren sich häufig an allgemeinen Richtwerten und nicht an der individuellen Verwertungskapazität.
Genau hier zeigen neuere Untersuchungen enorme Unterschiede zwischen einzelnen Athleten. Zwei Sportler können exakt dieselbe Menge konsumieren, beispielsweise 90 g/h, und dennoch völlig unterschiedliche Mengen tatsächlich oxidieren.
Während ein Athlet nahezu die gesamte Menge energetisch nutzen kann, verbleibt bei einem anderen ein erheblicher Teil im Verdauungstrakt.
Und genau dort beginnen häufig die Probleme.
Nicht oxidierte Kohlenhydrate erhöhen die osmotische Belastung im Darm, fördern Wasseransammlungen im Verdauungssystem und können Beschwerden wie Übelkeit, Krämpfe, Durchfall oder Erbrechen auslösen, dummerweise oft genau dann, wenn die Belastung im Rennen am höchsten wird.
(Infographik KI-generiert)
Wie funktioniert die ¹³C-Messung?
Für die Untersuchung werden Kohlenhydrate mit dem stabilen Isotop ¹³C markiert und anschließend in einem Sportgetränk oder Gel verabreicht.
Werden diese Kohlenhydrate später oxidiert, entsteht dabei CO₂ mit derselben isotopischen Signatur. Dieses CO₂ wird ausgeatmet und kann über Atemgasproben analysiert werden.
Dadurch lässt sich bestimmen, welcher Anteil der Energieproduktion tatsächlich aus den aufgenommenen Kohlenhydraten stammt und welcher weiterhin aus körpereigenem Glykogen gedeckt wird.
Das Verfahren erlaubt somit erstmals einen direkten Blick darauf, wie effizient ein Athlet externe Kohlenhydrate unter Belastung wirklich verwerten kann.
Die eigentliche Zielgröße: oxidative Effizienz
Entscheidend ist am Ende nicht, wie viele Gramm Kohlenhydrate aufgenommen werden, sondern wie viel davon tatsächlich energetisch genutzt werden kann.
Die sogenannte oxidative Effizienz beschreibt genau dieses Verhältnis.
Hohe Werte sprechen dafür, dass Verdauung, Aufnahme und Oxidation effizient zusammenarbeiten. Aktuell scheint eine Verwertungsrate von etwa 80 bis 90 Prozent der aufgenommenen Kohlenhydrate physiologisch besonders günstig zu sein.
Für die Praxis bedeutet das: Eine individuell abgestimmte Kohlenhydratzufuhr kann nicht nur die Leistungsfähigkeit stabilisieren, sondern gleichzeitig auch das Risiko gastrointestinaler Probleme deutlich reduzieren.
Wir sind uns sehr sicher, dass das nicht das letzte derartige Test-Event gewesen ist und werden unsere Partnerschaft mit ExoAnalytics weiter ausbauen.










