Wer sich die Bilder von großen Ironman-Rennen oder Marathons anschaut, entdeckt immer häufiger Athleten mit einem Nasenpflaster auf dem Nasenrücken oder einem kleinen Nasenspreizer in den Nasenlöchern. Viele verbinden damit die Hoffnung auf eine bessere Sauerstoffaufnahme und damit auch auf mehr Leistung. Doch stimmt das wirklich oder handelt es sich eher um einen subjektiven Effekt?
(Bild KI-generiert)
Grundsätzlich verfolgen Nasenpflaster und Nasenspreizer das gleiche Ziel: Sie sollen die Nasenatmung erleichtern. Ein Nasenpflaster wird von außen auf die Nase geklebt und zieht die Nasenflügel leicht auseinander. Dadurch wird die engste Stelle der Nase, die sogenannte Nasenklappe, etwas erweitert. Ein Nasenspreizer funktioniert ähnlich, wird jedoch direkt in die Nase eingesetzt und hält die Nasengänge von innen offen.
Beide Systeme sorgen dafür, dass die Luft leichter durch die Nase strömen kann. Viele Sportler beschreiben das Gefühl so, als könnten sie freier und entspannter atmen. Gerade bei einer leicht verstopften Nase, einer Allergie oder einer kleinen Nasenscheidewandverkrümmung kann dieser Effekt durchaus spürbar sein.
Die spannende Frage ist jedoch, ob dieses bessere Atemgefühl auch zu einer besseren Leistung führt. Genau hier liefert die Wissenschaft eine klare Antwort: Wahrscheinlich nicht.
Die bisher größte wissenschaftliche Übersichtsarbeit zu diesem Thema zeigte, dass Nasenpflaster zwar den Luftstrom durch die Nase verbessern, sich dadurch aber weder die maximale Sauerstoffaufnahme noch die Herzfrequenz oder die sportliche Leistungsfähigkeit messbar verändern (Dinardi et al., 2020). Mit anderen Worten: Die Nase wird zwar etwas durchlässiger, der Körper kann dadurch aber nicht automatisch mehr Sauerstoff verwerten.
Der Grund dafür ist einfach erklärt. Bei lockerer Belastung atmen wir überwiegend durch die Nase. Je intensiver die Belastung wird, desto mehr übernimmt jedoch automatisch der Mund die Atmung. Spätestens bei Wettkampftempo oder harten Intervallen spielt die Nase für die gesamte Luftaufnahme nur noch eine untergeordnete Rolle. Selbst wenn die Nasengänge weiter geöffnet sind, bleibt die maximale Sauerstoffaufnahme praktisch unverändert.
Auch andere wissenschaftliche Arbeiten kommen zu einem ähnlichen Ergebnis. Zwar berichten viele Athleten über ein angenehmeres Atemgefühl und eine freiere Nasenatmung, objektive Verbesserungen der Ausdauerleistung konnten jedoch nicht nachgewiesen werden (Gomes et al., 2022).
Interessant ist der Vergleich zwischen Nasenpflastern und internen Nasenspreizern. Da der Nasenspreizer direkt in der Nase sitzt und die Nasenklappe von innen stabilisiert, ist seine mechanische Wirkung meist etwas stärker. Untersuchungen zeigen, dass interne Nasenspreizer den Atemwegswiderstand stärker reduzieren können als ein von außen aufgeklebtes Nasenpflaster (Ottaviano et al., 2019).
Heißt das automatisch, dass Nasenspreizer die bessere Wahl sind? Nicht unbedingt.
Viele Sportler empfinden einen Nasenspreizer als Fremdkörper und brauchen etwas Zeit, um sich daran zu gewöhnen. Andere berichten sogar über Druckstellen oder Reizungen der Nasenschleimhaut. Ein Nasenpflaster ist dagegen schnell aufgeklebt, kaum spürbar und wird von den meisten Athleten als angenehmer empfunden. Dafür kann es sich bei starkem Schwitzen oder Regen lösen und ist für den Schwimmteil eines Triathlons natürlich ungeeignet.
Aus praktischer Sicht besitzen beide Systeme ihre Berechtigung. Wer lediglich das Gefühl haben möchte, freier zu atmen, wird mit einem Nasenpflaster meist zufrieden sein. Wer dagegen aufgrund seiner Anatomie deutlich schlechter durch die Nase atmen kann, profitiert möglicherweise stärker von einem internen Nasenspreizer.
Gerade auf der Langdistanz könnte der größte Vorteil sogar im Kopf liegen. Wer das Gefühl hat, leichter atmen zu können, fühlt sich häufig entspannter und sicherer. Dieses bessere Körpergefühl kann sich positiv auf das mentale Wohlbefinden im Wettkampf auswirken – auch wenn sich die Leistung objektiv kaum verändert. Im Ironman, bei dem mentale Stärke über viele Stunden eine entscheidende Rolle spielt, sollte dieser psychologische Effekt nicht unterschätzt werden.
Für die einzelnen Disziplinen ergibt sich ebenfalls ein unterschiedliches Bild. Beim Schwimmen spielen Nasenpflaster oder Nasenspreizer praktisch keine Rolle. Auf dem Rad können sie insbesondere in der Aeroposition für ein angenehmeres Atemgefühl sorgen, während sie beim abschließenden Marathon vielen Athleten helfen, entspannter zu atmen. Bei hochintensiven Belastungen wie Sprinttriathlon, VO₂max-Intervallen oder Endspurts ist dagegen kaum ein Vorteil zu erwarten, da die Atmung hier fast ausschließlich über den Mund erfolgt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sowohl Nasenpflaster als auch Nasenspreizer die Nasenatmung verbessern können. Wer eine eingeschränkte Nasenatmung hat oder sich ein freieres Atemgefühl wünscht, kann durchaus davon profitieren. Eine messbare Verbesserung der Ausdauerleistung oder der Wettkampfzeit ist nach aktuellem Stand der Wissenschaft jedoch für keines der beiden Systeme belegt.
Sollte man sich zwischen beiden Varianten entscheiden müssen, spricht die wissenschaftliche Literatur dafür, dass interne Nasenspreizer die Nasengänge etwas effektiver erweitern als klassische Nasenpflaster. Im Alltag und im Training bevorzugen jedoch viele Athleten das Nasenpflaster, da es komfortabler ist und weniger Eingewöhnung benötigt. Am Ende entscheidet daher nicht nur die Mechanik, sondern vor allem das persönliche Empfinden.
triviales Fazit:
Man macht nix damit kaputt, erfährt aber auch keinen wirklichen Wettbewerbsvorteil auf physiologischer Ebene. Wer sich subjektiv damit besser fühlt, kann diese Dilatatoren nutzen, wird aber evtl. auch nicht braun auf der Nase;-)
Quellen
Dinardi, G., de Oliveira, G. M., de Oliveira, M. A., & Fregonezi, G. A. (2020). Does the external nasal dilator strip help in sports activity? A systematic review and meta-analysis. Clinical Physiology and Functional Imaging, 40(6), 389–397.
Gomes, P. S., Rodrigues, A. C., & Silva, R. A. (2022). Effects of nasal dilators on exercise performance and respiratory parameters: A systematic review. Journal of Sports Sciences, 41(3), 295–304.
Portugal, L. G., Mehta, R. H., Smith, B. E., & Matava, M. J. (1997). Objective assessment of the athletic benefits of external nasal dilator strips. Archives of Otolaryngology–Head & Neck Surgery, 123(12), 1351–1354.
Ottaviano, G., Scadding, G. K., Coles, S., Lund, V. J., & Staffieri, A. (2019). Evaluation of internal nasal dilators during exercise: Effects on nasal airflow and subjective breathing perception. Clinical Otolaryngology, 44(5), 779–785.

